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Deutschland / Welt Ecclestone bleibt dabei: Es war Erpressung
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13:37 24.04.2014
Beteuert seine Unschuld: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Quelle: dpa
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München

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat zum Auftakt des Bestechungsprozesses vor dem Landgericht München seine Unschuld beteuert. In einer ausführlichen Erklärung, die er wegen eines Sehfehlers von seinen Anwälten vorlesen lies, warf der 83-Jährige am Donnerstag dem bayerischen Banker Gerhard Gribkowsky Lügen vor. "Herr Dr. Gribkowsky hat in den entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt." Es habe keine Bestechung gegeben. Dies wollen die Verteidiger des Briten auch mit neuem Beweismaterial belegen. Die Staatsanwaltschaft wirft Ecclestone vor, dem früheren Vorstand der bayerischen Landesbank beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt zu haben.

Damit wollte er nach Überzeugung der Ankläger Einfluss auf den neuen Besitzer der Rennserie nehmen und seine Macht an der Spitze sichern. "Für den Angeschuldigten entstand insoweit einerseits Anfang April 2005 ein ganz erheblicher Druck, nach Lösungen zu suchen, um die Schwächung seiner bestimmenden Stellung als Chef der Formel 1, schlimmstenfalls seiner Absetzung, zu vermeiden."

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Wichtigster Zeuge ist Gribkowsky

Ecclestone hörte genau zu, als der Staatsanwalt die Anklage verlas und machte sich Notizen. Für den mächtigen Formel-1-Boss steht in dem Prozess viel auf dem Spiel: Unter seiner Führung ist die Rennserie in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Milliardengeschäft geworden, bei dem er bestens mitverdient hat. In seiner Erklärung schilderte er den Richtern seinen gesamten Lebensweg vom kleinen Jungen, der auf dem Pausenhof Kekse und Brötchen verkaufte, bis zum Herrscher der Formel 1. "Von einem sehr frühen Alter an hatte ich mich entschlossen, unabhängig zu werden."

Die Zahlung an Gribkowsky begründete er in seiner Erklärung mit einer Erpressung. Er habe Angst gehabt, dass ihn der Banker bei den britischen Steuerbehörden anzeige. "Das hätte mich mehr als zwei Milliarden Pfund kosten können", versicherte er. Bei einer Verurteilung droht Ecclestone das Ende an der Spitze des Grand-Prix-Sports. Seit längerer Zeit wird spekuliert, dass eine Headhunter-Firma mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger beauftragt wurde. Für den Prozess sind zunächst 26 Verhandlungstage bis September geplant. Als Angeklagter muss Ecclestone an allen Tagen persönlich nach München kommen, darf das Gericht aber nach den Verhandlungen verlassen.

Wichtigster Zeuge in dem Verfahren ist Gribkowsky, der vor knapp zwei Jahren zugegeben hatte, das Geld von Ecclestone erhalten zu haben. Dafür war er zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ecclestones Verteidiger wollen Gribkowskys Aussage in dem Prozess genau hinterfragen. Das Landgericht schloss kurz vor Prozessbeginn einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung über das Strafmaß nicht aus. Vor dem Prozessbeginn gab es nach Angaben des Richters Peter Noll aber keine Absprachen. Ecclestone und Gribkowsky hatten sich näher kennengelernt, als die Landesbank ihre Mehrheit an der Rennserie verkaufen wollte.

Gribkowsky hatte als Risikovorstand der Bank die Aufgabe, möglichst viel Geld für die Anteile herauszuholen. Ecclestone fürchtete aus Sicht der Staatsanwaltschaft bei einem Besitzerwechsel einen Machtverlust an der Spitze der Formel 1 und zahlte Gribkowsky deshalb Millionen, damit er seinem Wunschkandidaten CVC den Vorzug gab. "Der Verurteilte Dr. Gribkowsky ging auf das Angebot des Angeschuldigten ein, da er Interesse an finanziellen Vorteilen und auch einer künftigen wichtigen Rolle in der Formel 1 hatte", hieß es in der Anklage.

Das Geld für die Zahlung an Gribkowsky soll sich Ecclestone in Form einer Beraterprovision weitgehend von der BayernLB zurückgeholt haben. Der Landesbank ist dadurch laut Anklage ein Schaden von umgerechnet knapp 35 Millionen Euro entstanden.

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