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Deutschland / Welt Höft & Wessel kämpft mit Altlasten
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19:44 06.12.2013
Von Jens Heitmann
 Sie verkörpern Vergangenheit und Zukunft bei Höft & Wessel: Der gestern ausgeschiedene stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Peter Versteegen (links) und Vorstandschef Rudolf Spiller. Quelle: dpa
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Hannover

Altlasten aus der Vergangenheit belasten den Neustart des Elektronikspezialisten Höft & Wessel. Das in den Bereichen Ticketing, mobile Datenerfassung und Parkscheinautomaten tätige Unternehmen habe jetzt zwar eine „hervorragende Ausgangsposition“, sagte Vorstandschef Rudolf Spiller am Freitag bei der Hauptversammlung in Hannover. Trotz der kürzlich gelungenen Kapitalerhöhung sei die Lage aber nur „kurzfriststabil“. Die neue Führungsmannschaft sei immer noch damit beschäftigt, nicht abgeschlossene Großprojekte „der Erblasser“ aus den Jahren 2009 bis 2012 abzuarbeiten.

Höft & Wessel war in eine Schieflage geraten, weil die seinerzeit hereingeholten Aufträge nicht kostendeckend kalkuliert waren und auch bei der Abwicklung zahlreiche Fehler unterliefen. Durch den Einstieg des Düsseldorfer Investors Droege, einen Kapitalschnitt und einen Verzicht der Banken wurde die Firma vom Großteil ihrer existenzgefährdenden Schuldenlast befreit. Droege sicherte sich dadurch knapp 73 Prozent der Anteile und kontrolliert bei der Hauptversammlung 90 Prozent der Stimmen.

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Als Beispiel für die aus der Vergangenheit resultierenden Schwierigkeiten nannte Spiller den im April 2012 erteilten Auftrag der belgischen Staatsbahn für Fahrkartenautomaten. Wegen interner Probleme habe noch im Januar dieses Jahres die Rückabwicklung des Projektes gedroht – „mit einem potenziellen Schaden von 10 Millionen Euro“. Inzwischen sei der Auftrag erfolgreich abgearbeitet; der Kunde habe sogar 130 neue Automaten geordert.

Spiller rechnet nach zweistelligen Millionenverlusten 2011 und 2012 für das zu Ende gehende Geschäftsjahr beim Ergebnis mit einem Turnaround – der Umsatz soll um 4 Prozent auf etwa 82 Millionen Euro steigen. Künftig soll sich Höft & Wessel vom reinen Hard- und Softwarelieferanten zum Servicedienstleister wandeln. So will man sich von Kunden beispielsweise dafür bezahlen lassen, dass Reisende mit einem Ticket von einem Ort zum anderen kommen – mit Vorteilen für beide Seiten: Die Bahnen müssten sich nicht mehr um den Betrieb ihrer Fahrscheinautomaten kümmern – Höft & Wessel könnte wegen der stetigen Einnahmen die Abhängigkeit vom Projektgeschäft verringern.

Aktionärsvertreter sehen die Neuausrichtung des Unternehmens positiv – mit der alten Führung gingen sie hart ins Gericht. Der schleichende Niedergang des Unternehmens müsse sich deutlich früher abgezeichnet haben als vom Aufsichtsrat angegeben, sagte Alexander von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Kontrolleure hatten das schlechte Ergebnis des dritten Quartals 2011 zum Anlass für den Rauswurf des damaligen Vorstandschef Hansjoachim Oehmen genommen.

Heiko Barkemeyer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte die Mitglieder des Gremiums unter dem Beifall der Aktionäre auf, die Mitverantwortung für die Schieflage der Firma zu übernehmen: „Unser Aufsichtsrat war offensichtlich nicht in der Lage, die existenzbedrohende Situation zu erkennen und gegenzusteuern.“ Er forderte, weder den Vorständen noch den Aufsichtsräten die Entlastung für 2011 und 2012 zu erteilen. Großaktionär Droege entschied anders: Mit seiner Stimmenmehrheit wurde nur Oehmen nicht entlastet.

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