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Deutschland / Welt Eine neue Milch-Ära beginnt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Eine neue Milch-Ära beginnt
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08:09 31.03.2015
Die Milch macht’s – zumindest für dieses erst wenige Tage alte Kalb. Die Milchwirtschaft setzt jetzt stärker auf den Weltmarkt.
Die Milch macht’s – zumindest für dieses erst wenige Tage alte Kalb. Die Milchwirtschaft setzt jetzt stärker auf den Weltmarkt. Quelle: Felix Kästle
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Berlin/Hannover

Wenn Kunden im Supermarkt einen Liter frische Milch kaufen, sind die komplexen Regeln des europäischen Agrarmarkts weit weg. Für die Milchbauern sind die Vorgaben aus Brüssel aber eine wichtige Grundlage ihres täglichen Geschäfts. Und da gibt es nach 31 Jahren nun eine echte Zäsur: Zum Monatswechsel fällt die Milchquote als Schutzmechanismus weg. Sie sollte mithilfe von Obergrenzen für die Produktion eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. Dass nach dem Quoten-Ende wieder Butterberge und Milchseen in Europa entstehen, befürchtet die Branche nicht. Für die Milchproduzenten beginnt eine neue Freiheit, die zugleich Ungewissheit mit sich bringt - wie auch für die Preise im Supermarkt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Was hat die Milchquote gebracht?

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) trauert der Quote nicht nach: „Staatliche Markteingriffe sind auf Dauer keine Lösung und angesichts des globalisierten Marktes auch nicht mehr realistisch.“ Statt die Einkommen der Milchbauern verlässlich zu stabilisieren, hätten die Preise für Rohmilch in den vergangenen 30 Jahren trotz der Quote um bis zu 20 Cent je Kilo geschwankt. Von einer „teuren Last“ spricht der Landvolk-Verband in Niedersachsen. Die Mengenregulierung habe die Entscheidungsfreiheit der Milchviehhalter massiv eingeengt und trotzdem den Ausstieg kleinerer Betriebe nicht verhindern können, stellt Landvolkvizepräsident Heinz Korte fest. Viele Höfe verschwanden: Laut Korte reduzierte sich die Zahl der Milchbauern in Niedersachsen von 65 500 im Jahr 1980 auf 9717 in 2014.

Warum soll die Quote jetzt wegfallen?

Als die Milchquote 1984 eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Durch die Begrenzung des Angebots sollten die Preise - und damit das Einkommen der Landwirte - gesichert werden. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen. Nun rechnen Politik und Experten mit einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten weltweit - vor allem in Ländern, die wirtschaftlich aufholen. Von diesen Exportchancen sollen Europas Bauern profitieren.

Und was bedeutet das für die Verbraucherpreise bei Milch, Käse oder Butter?

Je nach Angebot und Nachfrage können sie steigen oder fallen. Um in den letzten Tagen der Quote keine Strafzahlungen mehr zu riskieren, hatten manche Bauern die Produktion gedrosselt, indem sie Kühe schlachteten oder Futtermengen reduzierten. Auch international gingen Anlieferungen zurück, sodass die zuletzt relativ niedrigen Preise wieder anziehen, wie das Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft analysierte. Verbraucher müssten daher in den nächsten Monaten mit höheren Preisen rechnen.

Was für Folgen sind für Biobetriebe zu erwarten?

Jenseits des Exports könnten kleinere Höfe stärker auf eigene Absatzmärkte setzen, zum Beispiel mit regionaler Biomilch. Bei einem Preiskampf mit deutlich niedrigeren Verbraucherpreisen können sie aber schnell zu den Verlierern gehören.

Was sagen die Milchbauern?

„Die Quote ist ein Relikt einer Agrarpolitik der Vergangenheit“, sagt der Vizepräsident des Bauernverbands, Udo Folgart. Nun bekämen die Betriebe mehr Entscheidungsfreiheit, könnten Ställe und Melkanlagen besser auslasten und ihre Fixkosten senken. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht aber auch problematische Effekte, wenn mit der Quote die Strafzahlungen fürs Überschreiten des Limits entfallen. Damit verbillige es sich, wenn Betriebe noch stärker auf Expansion setzen und mehr Milchkühe anschaffen. Dies dürfte aber vor allem in Gegenden mit günstigen Weidebedingungen geschehen. Dagegen könnten etwa in den Mittelgebirgen viele Milchbauern aufgeben.

Wie geht es weiter?

Da es in Deutschland kaum noch Wachstumspotenzial gibt, richten sich die Hoffnungen der Milchwirtschaft auf den Export. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Käse soll Prognosen zufolge stetig steigen. Doch jahrelang habe die Quote Europa gebunden, während die USA, Neuseeland oder Australien die Produktion ausweiteten, erläutert der Bauernverband. „Wenn die EU hier nicht mitspielt, wird sie am Ende von den weltweiten Märkten verdrängt.“ Naturschutzverbände warnen vor negativen Folgen, wenn Weideflächen noch intensiver genutzt werden als bisher: Das Gülleproblem wachse - mit negativen Folgen für das Grundwasser.

von Sascha Meyer und Martina Herzog