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Deutschland / Welt Erpresser forderten 1,2 Millionen Euro vom HDI
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Erpresser forderten 1,2 Millionen Euro vom HDI
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22:29 24.04.2013
Von Michael Zgoll
Der Hauptsitz der Versicherungsgruppe Talanx in Hannover. Zwei Erpresser drohten dem Konzern 2012 mit der Veröffentlichung von Kundendaten. Jetzt wurden sie verurteilt. Quelle: dpa
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Hannover

Wolle der Konzern die Veröffentlichung verhindern, müsse er 1,2 Millionen Euro zahlen. Doch der dilettantisch angelegte Erpressungsversuch im Frühjahr 2012 scheiterte. Gestern wurden die Täter von einem hannoverschen Schöffengericht wegen gemeinschaftlicher versuchter Erpressung zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Ungeklärt blieben aber einige Fragen zur IT-Sicherheit bei dem Versicherungsunternehmen.

Offenbar hatte sich HDI-Mitarbeiter Björn K., der heute als Unternehmensberater firmiert, schon seit Jahren mit den Kundendateien des Versicherers beschäftigt. Im Prozess versuchte der als „Untervertreter“ im Konzern tätige 42-Jährige den Eindruck zu erwecken, dass es ihm vor allem darum gegangen sei, den HDI auf Sicherheitslücken im hausinternen Datennetz hinzuweisen. Er soll auch einen früheren Vorstand des Versicherungsunternehmens Gerling ins Vertrauen gezogen haben, der im Juni 2012 zunächst ebenfalls verhaftet wurde; da die Ermittler ihm aber nichts vorwerfen konnten, verlief dieser Fall im Sande.

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Eine Million Kundendaten will K. - nach eigenem Bekunden ohne besondere technische Kenntnisse - aus dem Firmencomputer gesogen haben: Namen und Anschriften, Bankverbindungen im In- und Ausland sowie Details zu Versicherungsarten, Leistungen und Ablauffristen. Er habe sie lediglich kopieren und per E-Mail an sich selbst verschicken müssen.

Im Frühjahr 2012 tat sich Björn K. mit dem heute 62 Jahre alten Benno L. zusammen. Dieser war acht Jahre lang beim Bundesgrenzschutz gewesen, hatte sich in der Pharmabranche verdingt und in der Anzeigenabteilung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gearbeitet. Gegenüber dem Versicherer trat er als Journalist auf, der mit Hilfe eines HDI-Informanten vier Jahre eine Enthüllungsgeschichte über ein Datenleck recherchiert habe. Bei einem ersten Gespräch in der Bothfelder Firmenzentrale Ende Mai waren auch der Talanx-Vorstandsvorsitzende Herbert Haas und der Datenschutzbeauftragte zugegen. Der gelernte Betriebswirt L. erklärte, ihm lägen nun eine Million Kundendaten vor, darunter etliche brisante Informationen über Prominente. Wenn ihm für seine langjährige Recherche eine „Entschädigung“ von 1,2 Millionen Euro gezahlt werde, verzichte er auf eine Veröffentlichung; dies sei sicher auch mit Blick auf einen geplanten Börsengang im Sinne des Unternehmens. Das zweite Gespräch am 11. Juni war zugleich das letzte: L. wurde in der Firmenzentrale festgenommen, K. in einem Café gegenüber dem Gebäude in der Riethorst, wo er auf seinen Kompagnon wartete.

Der Prozess unter Vorsitz von Amtsrichter Michael Siegfried dauerte nur zwei Stunden. Aufgrund eines Deals zwischen den Verfahrensbeteiligten, der den Angeklagten Bewährungsstrafen zusicherte, legten diese ein Geständnis ab. Zusätzlich zu den 21 Monaten Haft auf Bewährung müssen sie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.

Talanx-Pressesprecher Andreas Krosta erklärte, die Kundendaten des Versicherungskonzerns seien generell durch Zugriffssperren geschützt. Vor kriminellen Aktivitäten sei man nie vollständig gefeit, die beiden Erpresser hätten aber nur „Stammdaten“ gestohlen. Allerdings habe das Unternehmen nach dem Erpressungsversuch neue „Benutzerkonzepte“ entwickelt und damit den Zugriff auf sensible Kundendaten zusätzlich erschwert.

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