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Deutschland / Welt Estland bezahlt künftig mit dem Euro
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Estland bezahlt künftig mit dem Euro
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13:22 02.01.2011
Quelle: dpa
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Mitten in der europäischen Schuldenkrise begrüßt Estland zusammen mit dem neuen Jahr auch den Euro: Der kleine baltische Staat hat als 17. Land den Euro eingeführt. Unter den neuen ost- und zentraleuropäischen Mitgliedern der Europäischen Union ist Estland das dritte Land mit der Gemeinschaftswährung. Zuvor hatten Slowenien und die Slowakei dieses Ziel erreicht. Estland hofft, durch den Beitritt mehr ausländische Investoren anzulocken. Viele Menschen befürchten allerdings einen weiteren Preisanstieg.

Pünktlich zum Jahreswechsel wurde das baltische Land mit 1,3 Millionen Bürgern zum Euro-Land - als erste frühere Sowjetrepublik. Insgesamt leben nun in der Eurozone 330 Millionen Menschen. Die Staats- und Regierungschefs hatten bei einem Gipfel im Juni in Brüssel endgültig grünes Licht für die Einführung der EU- Währung in Estland gegeben. Der EU gehört der baltische Staat seit 2004 an.

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Kurz nach dem Jahreswechsel hob Ministerpräsident Andrus Ansip erstmals Euro-Banknoten an einem Geldautomaten ab. Umgeben von Journalisten zog er 20 Euro. „Dies ist eine kleine Summe für die Eurozone, aber ein großer Schritt für Estland“, sagte Ansip. Es gebe keine Schwierigkeiten bei der Umstellung, teilte die Zentralbank in der Hauptstadt Tallinn mit.

Estland erfüllt im Gegensatz zu seinen Nachbarn Lettland und Litauen die Beitrittsbedingungen mit einem annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt und geringen öffentlichen Schulden. Die Teuerungsrate allerdings hat zuletzt kräftig angezogen und liegt mit fünf Prozent im EU-Vergleich hoch. Schon 2007 hätten die Esten um ein Haar den Beitritt zum Euro geschafft, scheiterten aber hauchdünn an der zu hohen Inflation.

In der Euro-Krise, die Rettungsaktionen für wackelnde Euro-Länder wie Griechenland und Irland notwendig machte, sind Staaten mit stabiler Haushaltspolitik jedoch in der Euro-Zone willkommen. „Der Eintritt Estlands in den Euroraum ist ein starkes Signal für die Attraktivität des Euro und die Stabilität, die dieser den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bringt“, sagte der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso.

EU-Währungskommissar Olli Rehn nannte den Euro-Beitritt Estlands eine „gerechte Belohnung für ein Land, das sich einer soliden Haushaltspolitik verschrieben hat“. Der Euro werde der estnischen Wirtschaft Stabilität und Wohlstand geben.

Unumstritten ist die Währungsumstellung in dem Land aber nicht, von Begeisterung über die neue Währung war im Alltag bislang wenig zu spüren. Bei Umfragen haben mal die Befürworter, mal die Gegner die Nase knapp vorn. Neben der Angst vor einem zusätzlichen Preisanstieg gilt der Zeitpunkt der Währungsumstellung als Grund für die anhaltende Euro-Skepsis. Euro-Gegner befürchten, dass Estland für die Schulden anderer aufkommen muss.

Wann die nächsten EU-Länder ihre heimische Währung gegen den Euro tauschen werden, ist ungewiss. Im sogenannten „Wartezimmer“ des Euro, dem Europäische Wechselkursmechanismus, haben bislang nur Lettland und Litauen Platz genommen, neben Dänemark, das aber derzeit nicht als Euro-Kandidat gilt. Das Land im Norden hat nämlich eine Ausnahmeregelung und kann nicht zur Übernahme des Euro gezwungen werden - wie auch Großbritannien.

Nicht mehr so eilig mit dem Euro hat es auch Polen. Nationalbankchef Marek Belka sagte: „Es hat keinen Sinn, heute der Euro-Zone beizutreten, weil einige Euro-Länder gewaltige Probleme haben.“ Eine eigene Währung sei jetzt nur nützlich, sagte Belka unlängst der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ mit Blick auf Griechenland und Irland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in ihrer Neujahrsansprache für die Gemeinschaftswährung. „Der Euro ist ja weit mehr als eine Währung“, sagte sie. Er sei die Grundlage für den Wohlstand im Land. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy setzte sich ebenfalls für den Euro ein: „Das Ende des Euro wäre das Ende Europas.“

dpa