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Deutschland / Welt „Lat it be“
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12:01 28.12.2013
Die Neugier ist geweckt: Großer Andrang bei der Präsentation der neuen Euro-Münzen in Riga. Quelle: dpa
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Riga

Riga/Brüssel. Die Umstellung hat begonnen. Schon seit Tagen erinnern die lettischen Medien die zwei Millionen Einwohner daran, ihre bisherige Währung - den Lats - auf Girokonten einzuzahlen und auch kein altes Bargeld mehr abzuholen, damit die Einführung des Euro am 1. Januar 2014 reibungslos über die Bühne geht. Humorvoll werden manche Fernsehspots mit dem Slogan „Lat it be“ nach dem alten Beatles-Hit „Let it be“ untermalt. Die Botschaft lautet: Alles wird besser, wenn man erst zur europäischen Währungsunion gehört.

Aber bisher sind davon nur 18 Prozent der Menschen wirklich überzeugt; insgesamt 48 Prozent halten den Euro mehr oder weniger für etwas Positives. „Es war viel von drohenden Preiserhöhungen die Rede“, räumt Finanzminister Andris Vilks ein. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Valdis Dombrovskis Mitte November muss er das Herkulesprojekt jetzt quasi im Alleingang stemmen: „Wir haben aus den Erfahrungen in Deutschland und Italien zu lernen versucht.“

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Seit Monaten werden in Lettland viele Preise staatlich erfasst und veröffentlicht. Neben den bisherigen Angaben in Lats wurden Waren und Dienstleistungen bereits in Euro ausgezeichnet. Große Unternehmen haben in einer Vereinbarung mit der Regierung zugesichert, die Preise nicht zu erhöhen. Der Finanzminister ist sich daher sicher: „Diese Maßnahmen werden wirken.“

Die Hoffnungen sind groß. Der lettische Außenminister Edgars Rinkevics nennt vor allem die „Versicherung gegen Risiken, die unsere doch sehr wechselhaften Beziehungen zu Russland mit sich bringen“. In Regierungskreisen hofft man auf einen wachsenden Zulauf von Investoren, aber auch darauf, dass steigende Löhne nicht die bisherige Preisstabilität negativ beeinflussen - noch liegt die Inflationsrate bei nahe null Prozent.

Deutschland hilft bei Umstellung

Bei der Währungsumstellung ist auch die Bundesrepublik beteiligt: Geldscheine im Wert von 110 Millionen Euro lieh man sich in Riga bei der Bundesbank aus. 400 Millionen Münzen mit lettischen Symbolen kamen aus Stuttgart von den „Staatlichen Münzen Baden-Württemberg“. Insgesamt 971 Millionen Lats müssen am 1. Januar umgetauscht werden.

Das 18. Mitgliedsland in der Währungsunion bringt eine wechselvolle Geschichte mit. Es ist eines der ärmsten Länder im Euro-Raum - das Bruttoinlandsprodukt liegt im jetzt zu Ende gehenden Jahr pro Einwohner bei 11 263,14 Euro. Aber selbst die Bundesbank wertet diese malade Lage nur als Momentaufnahme. Sie sei das Ergebnis eines fast schon beispiellosen Kampfes gegen die Folgen der Finanzkrise, die Lettland aus eigener Kraft gemeistert habe, heißt es in Frankfurt.

Anstatt die eigene Währung abzuwerten, hat sich die lettische Regierung zum Sparen entschlossen. Heute steht das Land mit vorbildlich guten Finanzdaten da. Die Staatsverschuldung liegt bei 42 Prozent des Bruttosozialproduktes und damit also deutlich unter jenen 60 Prozent, die in der Euro-Zone offiziell erlaubt sind. 2005 wurde der Lats bereits an den Euro gekoppelt.

Die eigene Vergangenheit macht Riga innerhalb der Währungsunion zu einem Verfechter eines harten Sparkurses - damit positioniert sich das Land gegen die Krisenstaaten wie Griechenland oder Italien, die sich noch vergleichsweise lax verhalten. „Wir werden die Gruppe von Mitgliedstaaten vergrößern, die in der Krise sehr pragmatisch handeln und Hilfen nur unter Bedingungen zulassen“, betont Finanzminister Vilks. Denn „wenn Konsolidierung und Reformen in Lettland funktioniert haben, werden sie auch anderswo funktionieren“.

Von Detlef Drewes

27.12.2013
Albrecht Scheuermann 26.12.2013