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Deutschland / Welt Europa sucht Investoren für erweiterten Rettungsschirm
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Europa sucht Investoren für erweiterten Rettungsschirm
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20:45 28.10.2011
So richtig wollen die Chinesen nicht - eine Zusage für die stärkere Beteiligung in Europa gab es am Freitag aus China jedenfalls nicht. Quelle: dpa
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Berlin/Peking

Regierungsvertreter ließen durchblicken, dass sie Gegenleistungen wie Sicherheiten und Reformen in der Euro-Zone erwarteten. US-Präsident Barack Obama mahnte die Europäer zur schnellen Umsetzung ihrer Beschlüsse.
An den Finanzmärkten ließ die Begeisterung über die Brüsseler Beschlüsse bereits nach. Der Dax fiel nach einem positiven Handelsbeginn und rutschte am Abend sogar leicht ins Minus. Auch der Euro bewegte sich mit rund 1,416 Dollar unterhalb seiner Tageshöchststände.

Einer der Kernbeschlüsse des Gipfels war es, mit zwei unterschiedlichen Instrumenten die finanzielle Schlagkraft des EFSF auf rund eine Billion Euro zu erhöhen – ohne dass die beteiligten Staaten mehr Geld einsetzen müssen. Dafür werden nun in aller Welt Investoren gesucht. Ein besonderes Augenmerk liegt auf riesigen Staatsfonds wie in China, Singapur und den Golf-Staaten. China allein verfügt über Devisenreserven von 3,2 Billionen Dollar. Eine Absage gab es bereits von Norwegen, das aus seinen Öleinnahmen einen der größten Staatsfonds der Welt speist. Rund 400 Milliarden Euro werden dort für die mageren Jahre nach dem Öl angelegt. Für Investitionen in den Rettungsfonds stehe das Geld nicht zur Verfügung, sagte der Chef der Zentralbank, Øystein Olsen.

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In China rechnen sich die Euro-Länder größere Chancen aus. „Wir alle wissen, dass China einen besonderen Bedarf hat, seine Handelsüberschüsse anzulegen“, sagte EFSF-Chef Regling, der in der chinesischen Hauptstadt mit Vertretern der Zentralbank und des Finanzministeriums sprach. Er erwartet, dass die Volksrepublik auch künftig Anleihen des EFSF kaufen wird, denn das sei wirtschaftlich interessant. Mit Sonderkonditionen könne das kommunistisch geführte Land aber nicht rechnen. „Wenn sie unsere Bonds kaufen, dann kaufen sie die Bonds zu den gleichen Konditionen wie alle anderen“, sagte Regling.

Allerdings wird damit gerechnet, dass China hinter den Kulissen auf politische Gegenleistungen für sein Investment aus sein wird. Die Bundesregierung wies solche Befürchtungen zurück: „Es geht da um Investitionsentscheidungen und nicht um einen versteckten politischen Einfluss in die Europäische Union hinein“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Prinzipiell sei die Volksrepublik zu Hilfen bereit, erklärte Zentralbank-Berater Li Daokui der „Financial Times“: „Es liegt in Chinas langfristigem und eigenem Interesse, Europa zu helfen, denn es ist unser größter Handelspartner.“ Im Gegenzug zu einem größeren Engagement müsse es aber mehr Sicherheiten und Garantien geben. Die als Sprachrohr der Kommunistischen Partei geltende Volkszeitung mahnte institutionelle Reformen und weitere Anstrengungen der Europäer im Kampf gegen die Schuldenkrise an.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat jüngst mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao gesprochen und plädiert für eine Beteiligung des Landes an den neuen Euro-Hilfstöpfen. Hu kommt am Montag zu einem Staatsbesuch nach Österreich. Von Donnerstag an tagen die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Cannes.

Gernot Heller