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Deutschland / Welt Europa will die Griechenland-Krise ohne die G7 lösen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Europa will die Griechenland-Krise ohne die G7 lösen
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08:37 08.02.2010
Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti (links) ist sich mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble einig. Quelle: afp
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Die Europäer haben beim G7-Gipfel in Kanada versucht, ihren Partnern die Furcht vor neuen weltwirtschaftlichen Verwerfungen wegen der Finanzprobleme Griechenlands und anderer Euro-Länder zu nehmen. „Ich glaube, alle unsere Partner außerhalb der Euro-Zone haben schon den festen Eindruck, dass die Europäer dieses Problem lösen und damit umgehen können“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach dem zweitägigen Treffen der Finanzminister der Siebener-Gruppe im arktischen Städtchen Iqaluit.

EZB-Präsident Jean Claude Trichet gab sich überzeugt, dass die griechische Regierung das Notwendige tun werde, um ihre Budgetprobleme in den Griff zu bekommen. Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, versicherte, das Problem Griechenland werde von den Europäern gelöst.

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Ein Fall für den Internationalen Währungsfonds (IWF) sei Griechenland nicht, das sei klar, sagte Schäuble. Er sprach von einer „internen“ Diskussion, die im Grunde keine Sache der G7 sei. Trichet äußerte Zuversicht, dass Griechenland bis 2012 wieder die europäische Defizitgrenze von 3 Prozent unterschreiten wird. Im vergangenen Jahr erreichte das Loch 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die zunehmenden Finanznöte auch von Portugal und Spanien hatten die Kapitalmärkte in den zurückliegenden Tagen auf Talfahrt geschickt und den Euro zeitweise unter die Marke von 1,36 Dollar gedrückt.

Erstmals seit Jahren gab die G7 am Ende eines Treffens kein Kommunique heraus. Dies soll deutlich machen, dass die Gruppe der sieben größten „alten“ Industrieländer wieder informeller arbeiten will und die Führungsrolle als Folge der Krise an die Gruppe der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G20) abgibt. Schäuble sprach von einem guten Start. Den meisten Teilnehmern habe die Ausrichtung zugesagt.

Vorangekommen ist man nach Angaben Schäubles und seiner Kollegen bei der G7 in der Debatte über die Regulierung der Finanzmärkte. Insbesondere gebe es einen Konsens, dass die Banken für den Teil der Finanzkrise, den sie zu verantworten hätten, zur Kasse gebeten werden sollten, sagte Kanadas Finanzminister und Gastgeber Jim Flaherty. Dabei gewann die US-Idee einer Krisengebühr weitere Zustimmung. „Wir waren uns einig, dass es eine weltweite Besteuerung oder Abgabe, jedenfalls ein gemeinsames Instrument, geben muss, um eine Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden“, sagte Frankreichs Ministerin Christine Lagarde.

„Wir wollen möglichst den gesamten Finanzsektor umfassen, um Umgehungsmöglichkeiten kleiner zu machen“, betonte auch Schäuble.

Gernot Heller