Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt "Was passiert ist, macht die Menschen wütend"
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt "Was passiert ist, macht die Menschen wütend"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:24 19.01.2017
Als langjähriger Konzernchef und detailversessener „Mr. Qualität“ galt Martin Winterkorn lange Zeit bei VW als beinahe unantastbar. Doch dann wurde im September 2015 der Abgas-Skandal in den USA bekannt und fegte den einstigen Erfolgsmanager binnen weniger Tage aus dem Amt.
Als langjähriger Konzernchef und detailversessener „Mr. Qualität“ galt Martin Winterkorn lange Zeit bei VW als beinahe unantastbar. Doch dann wurde im September 2015 der Abgas-Skandal in den USA bekannt und fegte den einstigen Erfolgsmanager binnen weniger Tage aus dem Amt.  Quelle: imago
Anzeige
Berlin/Wolfsburg

Der über den Abgas-Skandal gestürzte frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn hat sich diesen Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgasaffär geäußert. Es war der erste größere öffentliche Auftritt des Managers seit seinem Rücktritt Ende September 2015.

Er will bis zum Bekanntwerden des Diesel-Skandals nichts über illegale Abgas-Manipulationen bei dem Autobauer gewusst haben. "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin", sagte der ehemalige Topmanager in Berlin. Dieser soll klären, ob die Bundesregierung für die späte Aufdeckung gefälschter Abgaswerte von Millionen Dieselwagen mitverantwortlich ist.

Winterkorn: „Lückenlose Aufklärung das Gebot der Stunde“

Konkreten Fragen der Abgeordneten zu Informationsflüssen beantwortete Winterkorn nicht - er verwies dabei auf laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Nach offiziellen Angaben hat der VW-Vorstand erst Anfang September 2015 von den Manipulationen erfahren, die zuerst in den USA entdeckt worden waren. VW hat Software verbaut, die erkennt, wenn die Abgas-Werte auf dem Prüfstand gemessen werden. Dadurch waren die Abgase bei Tests viel sauberer als ohne diese Prüfstand-Erkennung.

Berichten zufolge soll ein Manager-Treffen aber schon Ende Juli 2015 die Strategie gegenüber ermittelnden US-Behörden besprochen haben. Winterkorn soll bei dem sogenannten "Schadenstisch" anwesend gewesen sein. Doch ob er schon dort von den Problemen erfuhr und wie er damit möglicherweise umging, ist unklar.

Nach seinem Rücktritt Ende September 2015 hatte sich Martin Winterkorn aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Entsprechend groß war das Interesse auf den Auftritt des Ex-VW-Chefs vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Abgas-Affäre.

Der Ex-VW-Chef betonte, die Geschehnisse täten ihm leid: "Das was passiert ist, macht die Menschen wütend - mich auch." Er selbst habe durch seinen Rücktritt Ende September 2015 Verantwortung übernommen. Winterkorn nannte dies den "schwersten Schritt meines Lebens". Nun sei "lückenlose Aufklärung das Gebot der Stunde".

Der Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss war Winterkorns erste öffentliche Aussage zum Diesel-Skandal seit seinem Rücktritt. Er habe Bundesregierung und Behörden rasch informiert, sagte er. Drei Tage, nachdem die US-Umweltbehörden verletzte Grenzwerte gemeldet hätten, habe er sich bereits mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) getroffen. Am folgenden Tag sei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonisch informiert worden.

Ex-VW-Chef sieht sich als Opfer

Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zeigten sich nach der knapp zweistündigen Befragung insgesamt nicht überzeugt. "Ich glaube, in weiten Teilen ist er hinter dem zurückgeblieben, was er wirklich weiß", sagte der Vorsitzende Herbert Behrens (Linke). Wenn Winterkorn so wenig gewusst habe, wie er angebe, dann sei er als Vorstandschef "seinen Aufgaben nicht nachgekommen". Neue Erkenntnisse in der Sache habe der Ausschuss nicht gewonnen.

"Die dramatischen Ereignisse rund um den Einsatz verbotener Software von Dieselmotoren haben unser Unternehmen in eine schwere Krise gestürzt", sagte Winterkorn vor den Parlamentariern. "Das endgültige Ausmaß des Schadens ist bis heute nicht vollständig absehbar." Der Skandal führte zu milliardenteuren Rückstellungen, brachte VW im Jahr 2015 einen Rekordverlust, ließ neben Winterkorn zahlreiche weitere Manager zurücktreten und verschärfte den ohnehin hohen Spardruck bei Europas größtem Autohersteller.

Von dpa/RND/zys