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Deutschland / Welt Finanzamt jagt Schnäppchenjäger
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06:28 06.11.2015
Im Nachhinein teurer als gedacht? Finca auf Mallorca. Foto: Fotolia
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Die Krise auf dem Immobilienmarkt von Mallorca, der Lieblingsinsel von Millionen Deutschen, ist vorbei. Nachdem in den vergangenen Jahren die Immobilienpreise abgestürzt waren, geht es in diesem Jahr nun erstmals seit Langem wieder nach oben. Für manchen Immobilienkäufer der vergangenen Jahre fängt die Krise aber erst an. Sie haben das Finanzamt im Nacken - weil sie ihre Immobilie zu günstig gekauft haben.

Wer die Krisenjahre mit Preisabschlägen von teils 30 bis 40 Prozent für den Immobilienkauf auf Mallorca genutzt hat, erhält nun unangenehme Post vom Finanzamt. Die Behörde fordert nämlich einen Nachschlag bei der ohnehin hohen Grunderwerbsteuer (8 bis 10 Prozent je nach Kaufpreis). Eine Schätzung habe ergeben, dass die Immobilie doch viel mehr wert gewesen sei als im notariellen Kaufvertrag ersichtlich - und auf diesen Schätzpreis sei Grunderwerbsteuer zuzüglich Zinsen ab Kaufzeitpunkt nachzuentrichten.

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Das trifft viele: „Etwa 75 Prozent aller Käufe, die während der kaufschwachen Jahre und unter Preisnachlässen erfolgten, werden nach meiner Erfahrung nachversteuert“, sagt der in Palma de Mallorca tätige Rechtsanwalt Matthias Jahnel. Die Nachforderungen betragen oft mehrere Tausend Euro. Rechtsgrundlage ist ein Gesetz, das ursprünglich für echte Steuerbetrüger gedacht war (Art. 57 des Ley 58/2003). Denn über Jahrzehnte war in Spanien „Unterverbriefung“ üblich: Im notariellen Kaufvertrag (der in Kopie ans Finanzamt geht) wurde eine Art Freundschaftspreis eingetragen, die Differenz dazu gerne in bar oder per Scheck überreicht, während der Notar gerade mal aus dem Fenster schaute.

Nun aber entdecken die klammen Kommunen das Gesetz als Gelegenheit, nachträglich bei Immobilienkäufern abzukassieren - auch wenn diese ganz anständig den tatsächlichen Kaufpreis versteuert haben. Was lässt sich dagegen machen? Gegen die Schätzung („propuesta de valoración“) kann man im Anhörungsverfahren Gegenargumente („alegaciones“) vorbringen, muss sich aber beeilen: Die Frist beträgt nur zehn Tage. „Der Immobilieneigentümer kann dabei zum Beispiel anführen, dass die Immobilie individuell hätte bewertet werden müssen oder dass er hohe Aufwendungen hatte für die Sanierung“, sagt Rechtsanwalt Dominic Porta in Palma de Mallorca. Wenn das den Finanzbeamten nicht überzeugt, wird ein Bescheid erlassen, gegen den wie in Deutschland innerhalb eines Monats Widerspruch oder Klage möglich ist. Ohne Sachverständigen-Gutachten sind die Erfolgsaussichten allerdings gering.

Ein Trost: Wer eine Nachberechnung des Finanzamtes erhält, hat es sozusagen amtlich, dass er in den Jahren der Immobilienkrise einen guten Kauf gemacht hat.