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Deutschland / Welt Heuschrecke landet auf Weihnachtsbaum
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Heuschrecke landet auf Weihnachtsbaum
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09:38 21.11.2014
Dänemark ist Europas größer Weihnachtsbaumexporteur.
Dänemark ist Europas größer Weihnachtsbaumexporteur. Quelle: dpa
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Kopenhagen

Dass die Dänen im Jahr 1972 für den Beitritt zur Europäischen Union stimmten, hing auch mit der Sorge um einen wichtigen Exportschlager zusammen: Der Bacon für das „Full English Breakfast“ kam vorwiegend von Bauern aus Jütland – und als die Briten sich der EU anschlossen, wollten die Dänen ihre besten Kunden nicht von dannen ziehen lassen. Stünden sie heute noch einmal vor der Entscheidung, könnte ein anderes Zuchterzeugnis den Ausschlag geben: die Tanne.

Die Dänen sind der mit Abstand größte Exporteur von Weihnachtsbäumen in Europa. Im Königreich wachsen mehr als 100 Millionen Exemplare heran, jeder zehnte Baum wird im Dezember gefällt. Königlich ist auch die Rendite, wie aus der Bilanz des Marktführers Green Team Group (GTG) hervorgeht: Bei einem Umsatz von umgerechnet 33 Millionen Euro blieb zuletzt ein Gewinn von 16 Millionen Euro hängen.

Solche Renditen locken: Im August hat der Finanzinvestor Adelis bei GTG die Mehrheit übernommen. Dank einer vereinbarten Kapitalspritze will das Unternehmen nun stärker nach Osteuropa expandieren und seinen Absatz von Weihnachtsbäumen bis zum Jahr 2020 verdoppeln. „Wir decken die gesamte Produktionskette ab – vom Keimling aus dem Kaukasus über unsere Plantage bis hin zum Einzelhandel“, erklärt Geschäftsführer Hans Schultz. Damit sei GTG der Konkurrenz einen wichtigen Schritt voraus.

Damit die Bäume möglichst spät nadeln, bedient man sich inzwischen diverser chemischer Hilfsmittel. Doch das störe die Kunden nicht, Öko liege beim Weihnachtsbaum noch nicht so im Trend, heißt es bei GTG. Sollte sich das ändern, sei man aber sofort dabei – gegen Aufpreis natürlich. Schon heute liefern die dänischen Produzenten „Designerbäume“: Die deutschen Kunden beispielsweise erwarten einen Abstand zwischen den Zweigen, der Platz für Kerzen und Kugeln lässt. Die Briten hingegen wickeln lieber lange Girlanden um ihre Bäume – deshalb schätzen sie eher stämmige Tannen mit möglichst wenig Platz zwischen dem Geäst. „Wir haben uns den unterschiedlichen Vorlieben angepasst“, sagt der GTG-Manager. Sehr zur Freude der neuen Eigentümer.

Von Jens Heitmann

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