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Deutschland / Welt Flugbegleiter bestreiken Lufthansa
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Flugbegleiter bestreiken Lufthansa
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07:40 29.08.2012
Die Flugbegleiter der Lufthansa wollen streiken. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Die Flugbegleiter und ihre Gewerkschaft Ufo kämpfen bei der Lufthansa für die „gelbe Klammer“. So nennen die Lufthanseaten das komplizierte Tarifwerk, das die Arbeit in dem stolzen Unternehmen mit dem Kranich so angenehm macht. Für jede Berufsgruppe mit dem gelben Lufthansa-Ausweis sind hier die Arbeitsbedingungen und Entgelte festgelegt, die zumindest im Vergleich zu Billigfliegern durchaus Premiumansprüchen genügen. Die Flugbegleiter seien nach einem langen und ergebnislosen Verhandlungsmarathon bereit, für ihre Besitzstände zu streiken, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Dienstag.

Geht es nach dem Willen von Lufthansa-Chef Christoph Franz, verliert die „gelbe Klammer“ in den nächsten Jahren schnell an Kraft und Umfang. Gegen den erbitterten Widerstand der Flugbegleitergewerkschaft setzte er den Einsatz von Leihstewardessen in den in Berlin stationierten Maschinen durch und plant eine neue Direktfluggesellschaft (Direct4U), in der die Lufthansa-Tarifbedingungen nicht mehr gelten sollen.

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Den Maßstab für das Unternehmen mit voraussichtlich rund 2000 Kabinen-mitarbeitern setzt künftig die als Billigflieger gegründete Tochter Germanwings, deren Bedingungen laut Ufo rund 40 Prozent unter dem Niveau von Lufthansa Classic liegen – andere sprechen von 25 Prozent. Baublies vermag in den Plänen nur noch Etikettenschwindel zu erkennen. Lufthansa wolle Premium-preise kassieren für ein Produkt, das mit Billigkräften produziert werde und vermutlich dennoch den Markennamen Lufthansa tragen werde. „Wo Lufthansa draufsteht, muss auch Lufthansa drin sein“, sagte er. Ufo-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang beschwört negative Auswirkungen auf die Marke: „Erodierte Arbeitsverhältnisse in der Kabine können dem Produkt nicht gut tun.“

Zu Beginn des Streiks bleiben beide Seiten die Antwort nach einer möglichen Lösung schuldig. So werden in den nächsten Tagen und Wochen Flüge ausfallen und Passagiere an unerwünschten Orten hängenbleiben. Einer grundsätzlichen Lösung wird man so aber kaum näherkommen, denn Lufthansa-Chef Franz wie auch Aufsichtsratschef Jürgen Weber sind zum Sparen entschlossen und sehen keine Alternative. Billigflieger und Airlines aus dem Nahen Osten setzen die Lufthansa bei den Ticketpreisen unter Druck, während Treibstoff immer teurer wird und die alternde Flotte nachgerüstet werden muss.

Härte gegen das eigene Personal hat das Lufthansa-Management bereits bei der Tochter Austrian gezeigt. In Österreich konnte gehen, wer den tariflichen Schwenk zur Billigtochter Tyrolean nicht mitmachen wollte. Von den rund 1,5 Milliarden Euro jährlichem Sparvolumen in dem Konzernprogramm „Score“ soll die Lufthansa-Passage als größter Geschäftsbereich allein 900 Millionen Euro bringen, wobei in den Kabinen und Cockpits keine Stellenstreichungen vorgesehen sind.

Um 5 Prozent verringerte Personalkosten sind daher das Ziel von Passage-Chef Carsten Spohr. Das geht nur über die Gehaltsstruktur – auch bei den streikerprobten Piloten, wo die Tarifverhandlungen ebenfalls nicht vorankommen. Besitzstände der Belegschaft aufzugeben, falle jedem schwer, erst recht Gewerkschaftern, sagte Lufthansa-Personalmanager Peter Gerber. Aber auch er weist auf die wirtschaftlichen Umstände der Branche, in der Lufthansa unter den Europäern noch vergleichsweise gut dasteht.

Sollte Franz seinen harten Sparkurs weiterfliegen, muss er bei der Umsetzung seiner zentralen Reformprojekte mit heftiger Gegenwehr der Gewerkschaften rechnen. Ufo und der von ihr beherrschte Kabinen-Betriebsrat ist bereits mit einer ganzen Reihe von Klagen gegen den Einsatz der Leihstewardessen vorgegangen und hat zumindest Sand in das Getriebe in Berlin gestreut. Das weitaus größere Rad ist aber die Neuorganisation der Direktverkehre, die Ufo nötigenfalls mit einer Zermürbungstaktik behindern will. „Lufthansa hat uns in die Gräben geschickt. Und da trauen wir uns einiges zu“, sagte Baublies.

In der Regel nennt die Gesellschaft auf ihrer Homepage www.lufthansa.com die gestrichenen Flüge, mit der Flug- oder Buchungsnummer kann man die betreffende Verbindung abrufen. Wer seine Mobilnummer bei der Buchung angegeben hat, erhält bei einem stornierten Flug eine Info-SMS auf sein Handy. Die Servicenummer der Lufthansa lautet (0 18 05) 80 58 05.   

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.