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Deutschland / Welt Ford poliert Nobelmarke Lincoln wieder auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ford poliert Nobelmarke Lincoln wieder auf
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10:43 06.04.2012
Foto: Der neue Lincoln MKZ aus dem Hause Ford soll den amerikanischen Markt zurück erobern.
Der neue Lincoln MKZ aus dem Hause Ford soll den amerikanischen Markt zurück erobern. Quelle: dpa
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New York

Franklin D. Roosevelt fuhr einen, während er den Widerstand gegen Nazi-Deutschland organisierte. John F. Kennedy wurde in einem erschossen. Ronald Reagan bot seiner Schutz vor einem Attentat. Die Rede ist von Straßenkreuzern aus dem Hause Lincoln. Über Jahrzehnte stellte die Ford-Nobelmarke die Dienstlimousinen für den US-Präsidenten. Doch der Lack ist ab. Barack Obama reist heute in einem Cadillac.

Ein Blick in den Fuhrpark der US-Präsidenten zeigt beispielhaft den Zustand der einst glorreichen Automarke Lincoln. Sie findet kaum mehr Käufer – und wenn, dann sind diese im Schnitt 65 Jahre alt. Längst haben Mercedes, BMW oder Audi die einstige amerikanische Autoikone auf dem Heimatmarkt überholt. Auch die asiatische Konkurrenz macht Lincoln das Leben schwer, allen voran die Toyota-Premiummarke Lexus.

Nun schlagen die Amerikaner zurück. Auf der New York International Auto Show, die noch bis zum 15. April läuft, präsentiert Lincoln seinen neuen MKZ. Die Limousine in der Preisklasse eines 3er BMW soll vor allem die jungen Kunden zurückgewinnen und bricht dafür mit den Marken-Konventionen: Das wuchtige Design der älteren Schwestermodelle weicht sportlichen Linien. Der bisherige Kühlergrill, der an die Barten eines Wals erinnerte, wurde durch „Adlerschwingen“ ersetzt, wie es Chefdesigner Max Wolff formulierte. Ein Glasdach erlaubt den freien Blick in den Himmel oder auf Manhattans Hochhäuser.

„Luxusmarke des 21. Jahrhunderts“

„Unsere Strategie ist simpel: Wir nehmen diese wundervolle Marke und erfinden sie neu als Luxusmarke des 21. Jahrhunderts“, tönte Ford-Amerikachef Mark Fields bei der Vorstellung des neuen MKZ in New York. Nach Jahren der Stagnation, in der Lincoln oft nur besser ausgestattete Ford-Kopien waren, steckt die Konzernleitung richtig Geld in die Marke: Bis 2015 soll die komplette Modellpalette überholt werden mit sieben neuen oder überarbeiteten Wagen.

Das ist auch bitter nötig: Im vergangenen Jahr rollten in den USA gerade mal 86.000 neue Lincoln von den Höfen der Händler. Im Gegensatz dazu kamen Mercedes und BMW mit jeweils annähernd 250.000 Wagen auf beinahe die dreifache Stückzahl. Die zweite uramerikanische Premiummarke Cadillac aus dem Hause General Motors schaffte immerhin 152.000 Verkäufe, Audi wurde 118.000 Wagen los.

„Lincolns glorreiche Zeiten liegen zwanzig Jahre zurück“, stellte die „New York Times“ fest. Ford könne jedoch nicht auf Lincoln verzichten, erklärte die bekannte amerikanische Autoanalystin Rebecca Lindland vom Marktforscher IHS. Denn Konzernchef Alan Mulally hat in seinem Bemühen, den einst verlustreichen Autobauer zu retten, alle anderen Premiummarken abgestoßen: Jaguar und Land Rover gehören nun Indern, Volvo ging nach China und Mercury wurde dichtgemacht.

Für Aufsteiger, denen ein Ford nicht mehr gut genug ist, bleibt innerhalb des Konzerns also nur noch die 95 Jahre alte Marke Lincoln. Neben dem Heimatmarkt USA und Kanada soll sie nun auch international bekannter gemacht werden. Ford-Chef Mulally sieht Chancen vor allem im Boomland China. Er will Lincoln zu einer „Luxusmarke von Weltformat“ machen, wie er sagt. Vielleicht findet ja auch der US-Präsident wieder Gefallen an den Autos.

dpa

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