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Deutschland / Welt Frankreich steigt selbst bei Alstom ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Frankreich steigt selbst bei Alstom ein
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21:18 20.06.2014
Die Gebote von Siemens und Mitsubishi Heavy als auch von General Electric seien nicht ausreichend, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Quelle: dpa
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Paris

Die Regierung werde dem bisherigen Haupteigner Bouygues
20 Prozent der Anteile zum Marktpreis abkaufen, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg.

Während Siemens damit aus dem Rennen ist, machte der Politiker GE noch Hoffnungen auf einen Anteil am Atomkraftwerks-Geschäft von Alstom. Siemens wollte sich dazu zunächst nicht äußern, auch GE lehnte eine Stellungnahme ab. Weder Siemens und sein japanischer Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) noch General Electric hätten ausreichende Angebote vorgelegt, sagte Montebourg zur Begründung.

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Die Regierung werde jedoch mit GE über ein neues Angebot verhandeln. Montebourg griff den Vorschlag der Amerikaner auf, das Nukleargeschäft von Alstom in ein Gemeinschaftsunternehmen zu überführen, an dem Alstom und GE jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Auch das Zugeständnis der Amerikaner, dem Staat mit einer sogenannten Goldenen Aktie ein Vetorecht zu gewähren, begrüßte der Minister. Für die Deutschen und ihre japanischen Partner hatte Montebourg nur tröstende Worte übrig: „Die Offerte von Siemens und MHI war ernsthaft, aber die Regierung hat ihre Entscheidung gefällt.“

Alstom machen seit geraumer Zeit Rückgänge im Kraftwerksgeschäft und nachlassendes Wachstum der Zugsparte zu schaffen. Der Konzern hatte deshalb einen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt und sich auf Partnersuche begeben. Unter anderem wurde ein Verkauf von Unternehmensteilen erwogen. Die französische Regierung hatte sich jedoch das letzte Wort gesichert. Dazu erließ sie ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren.

Bis zum Schluss hatten sich Siemens/MHI und GE ein Bietergefecht geliefert. Beide Seiten hatten Regierung und Gewerkschaft mit dem Versprechen umgarnt, 1000 neue Arbeitsplätzen in Frankreich zu schaffen, Siemens wollte noch 1000 Ausbildungplätze obendrauf legen. Noch am Freitag hatte das von Siemens geführte Konsortium sein Angebot aufgestockt und damit auf eine nachgebesserte Offerte von GE reagiert. Die Amerikaner schlugen zuletzt in Absprache mit dem Alstom-Management mehrere Joint-Ventures und „Allianzen“ vor – die Regierung in Paris hatte sich für ein Bündnis und gegen die bislang von den Amerikanern geplante reine Übernahme der Energietechnik ausgesprochen.

Von Jörn Poltz 
und Jean-Baptiste Vey

Jens Heitmann 20.06.2014