Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Französische Milchbauern beschließen Lieferboykott
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Französische Milchbauern beschließen Lieferboykott
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:33 10.09.2009
Wegen niedriger Preise rufen französische Milchbauern zu einem europaweiten Boykott auf.
Wegen niedriger Preise rufen französische Milchbauern zu einem europaweiten Boykott auf. Quelle: ddp
Anzeige

Der Verband, der den deutschen Milchstreik im vergangenen Jahr organisiert hatte, schloss nicht aus, dass deutsche Bauern sich an dem Boykott beteiligen.

„Ich rufe alle französischen und europäischen Produzenten auf, ihre Lieferungen ab dem Melken heute abend einzustellen“, sagte der Präsident des französischen Milchbauernverbandes APLI, Pascal Massol, bei einer Demonstration mit rund 150 Teilnehmern aus Europa in Paris. Der „blinde Liberalisierungskurs“ der EU treibe die Höfe in den Ruin, sagte der Vorsitzende von der Schwesterorganistion APLI, Daniel Condat, anlässlich eines Treffens des Europäischen Milchbauernverbandes EMB in der französischen Hauptstadt. „Die Politik lässt Bäuerinnen und Bauern ins offene Messer laufen.“

Zusammen vertreten beide Organisationen nach eigenen Angaben rund 30.000 Produzenten in Frankreich - etwa ein Drittel der Milcherzeuger. Wie der Deutsche Bauernverband (DBV) ist die französische Dachorganisation der Landwirte Landwirte FNSEA gegen einen Lieferboykott. Die FNSEA teilte mit, sie gehe davon aus, dass der Milchstreik nur „wenig befolgt“ werde.

Bei dem EMB-Treffen in Paris schloss sich auch kein anderer nationaler Verband dem europaweiten Streikaufruf offiziell an. Mehrere begründeten das mit dem Verbot solcher Appelle in ihren Ländern. Die Milchbauern in Deutschland seien aber „solidarisch“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber. „Die Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Viele befürchten, in den nächsten Monaten Bankrott anmelden zu müssen.“ In Deutschland müsse jetzt jeder Bauer „selbst entscheiden, was er macht.“

Mehrere deutsche Bauern kündigten bei der Demonstration in Paris an, sie wollten noch vor der Bundestagswahl erneut in Streik treten. Insgesamt gehören dem 2006 gegründeten European Milk Board (EMB) Verbände aus 14 Ländern an. Die Organisation vertritt damit nach eigenen Angaben 100.000 Milchbauern in Europa.

Im vergangenen Jahr hatten in Deutschland tausende Bauern im Kampf für höhere Preise zehn Tage lang keine Milch mehr an die Molkereien geliefert. Die deutschen Supermärkte hatten daraufhin die Milch zeitweise teurer verkauft und zugesagt, den Mehrerlös den Bauern zukommen zu lassen. Die Milchbauern vereinbarten außerdem mit der Politik, mit Maßnahmen auf dem deutschen Milchmarkt die Preise zu stabilisieren. Diese Vereinbarungen wurden aber von den Länderministern mehrere Monate später im Bundesrat wieder abgelehnt.

Das Kartellamt hatte den Streikaufruf nachträglich als Verstoß gegen das Boykottverbot kritisiert und dem BDM bei Wiederholung Bußgelder angedroht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte dies am Mittwoch bestätigt. Laut dem BDM ist damit aber nicht die Teilnahme an einem Lieferstopp rechtswidrig, sondern nur der Aufruf dazu. In den vergangenen Monaten waren die Milchpreise auf ein noch niedrigeres Niveau als vor dem deutschen Milchstreik gesunken. Die EU-Agrarminister hatten sich am Montag gegen Hilfen für die Bauern entschieden und an einer Strategie der Marktliberalisierung festgehalten.

afp