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Deutschland / Welt Frauenquote verärgert die Wirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Frauenquote verärgert die Wirtschaft
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09:28 19.11.2013
Foto: Ursula Piëch ist auch ohne die Hilfe einer Quote in den VW-Aufsichtsrat eingezogen. Ihr Mann Ferdinand hat sie dort als seine designierte Nachfolgerin installiert.
Ursula Piëch ist auch ohne die Hilfe einer Quote in den VW-Aufsichtsrat eingezogen. Ihr Mann Ferdinand hat sie dort als seine designierte Nachfolgerin installiert. Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Familienpolitiker von Union und SPD werteten den Beschluss hingegen als Durchbruch bei der Förderung von Frauen.

In den Aufsichtsräten mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen mit mindestens 2000 Beschäftigten soll demnach ab 2016 eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent gelten. Wird diese nicht erreicht, solle als Sanktion das Aufsichtsratsmandat nicht besetzt werden dürfen, erläuterte SPD-Vizechefin Manuela Schwesig. Die Vereinbarungen in den Arbeitsgruppen müssen allerdings noch von der großen Runde der Koalitionsverhandlungen bestätigt werden.
Eine starre Quote bei Vorständen wird es den Plänen zufolge nicht geben. Stattdessen soll dort ebenso wie auf anderen Führungsebenen eine flexible Quote festgeschrieben werden. Die Firmen müssen sich dabei verbindliche Zielgrößen verordnen, die sie später nicht mehr nach unten korrigieren dürfen. Eine solche Flexi-Quote soll ab 2015 auch für Aufsichtsräte, Vorstände und obere Management-Ebenen in kleineren börsennotierten Unternehmen gelten.

Unions-Verhandlungsführerin Annette Widmann-Mauz zeigte sich überzeugt, dass mit den Beschlüssen ein „Kulturwandel im Inneren der Unternehmen“ geschaffen werde. Ihre SPD-Kollegin Schwesig sagte, in den Chefetagen großer Unternehmen müsse Schluss sein mit der „Männer-Quote von 90 Prozent“.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ging mit dem Vorhaben hart ins Gericht. „Eine Einheitsquote ignoriert branchen- und unternehmensspezifische Besonderheiten“, warnte Holger Lösch, Mitglied der Hauptgeschäftsführung. Zur Erhöhung der Zahl von Frauen in Führungspositionen müsse an den entscheidenden Hebeln angesetzt werden – etwa bei einer gezielten Berufsorientierung, dem Ausbau der Kinderbetreuung und einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit, erklärten die Arbeitgeberverbände.

Unter den 30 größten börsennotierten Konzernen erfüllen nur acht die neue Quoten-Vorgabe schon heute. Oft stellt die Arbeitnehmerseite vergleichsweise viele Kontrolleurinnen. Weit vorn liegt beispielsweise der Nivea-Hersteller Beiersdorf: Von den zwölf Kontrolleuren ist jede dritte eine Frau. Ziel sei es, bis 2020 den weiblichen Anteil in allen Führungspositionen auf 30 Prozent zu steigern, sagte eine Konzernsprecherin.

Volkswagen hingegen müsste den Frauenanteil in seinem Aufsichtsrat spürbar erhöhen, um die Berliner Quotenpläne zu erfüllen. Von den insgesamt 20 Kontrolleuren sind bisher erst drei weiblich. Diese Zahl müsste der Konzern also verdoppeln. Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung, die sich der Frauenförderung verschrieben hat, hat mit Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies zwei Männer in das Kontrollgremium entsandt.

rtr

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