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Deutschland / Welt Fredriksen will den Geldhahn zudrehen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Fredriksen will den Geldhahn zudrehen
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10:24 23.01.2010
Von Jens Heitmann
Quelle: Michael Thomas (Archiv)
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Zudem soll ein Sonderprüfer die Finanzhilfen für die angeschlagene Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd und die Umstände bei der Begebung einer Wandelanleihe im Herbst unter die Lupe nehmen.

Die TUI wollte den Vorgang nicht kommentieren. Ein Konzernsprecher verwies am Freitag lediglich auf die Stellungnahme des Vorstands in der Einladung zur Hauptversammlung. Darin schlägt das Management den Aktionären vor, die Anträge Fredriksens abzulehnen. „Die Gesellschaft muss auch zukünftig in der Lage bleiben, ihr Eigenkapital schnell und flexibel den geschäftlichen Erfordernissen anzupassen“, heißt es zur Begründung. Für die Bestellung eines Sonderprüfers sieht der Vorstand keinen Anlass.

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Fredriksen begründet seine Anträge mit dem fehlenden Einfluss der Aktionäre auf die Kapitalmaßnahmen des Konzerns und mit dem allgemeinen Verdacht, „dass sich der Vorstand bei der Ausnutzung bestehender Ermächtigungen nicht ausschließlich am Interesse der Gesellschaft orientiert“. In eine ähnliche Richtung zielt auch der Antrag auf einen Sonderprüfer in Sachen Hapag-Lloyd. Hier lautet der Vorwurf, die TUI habe für die Rettung der Reederei gemessen an ihrem Anteil und im Vergleich zu den anderen Hapag-Aktionären zu viel Geld in die Hand genommen und dafür zu wenig Einfluss gewonnen.

In Unternehmenskreisen werden Fredriksen wenig Chancen eingeräumt, auf der Hauptversammlung eine Mehrheit hinter sich zu bringen. Dem Vernehmen nach hält der Reeder aktuell rund 15 Prozent der TUI-Aktien – die dem Vorstand freundlich gesinnten Anteilseigner um den russischen Stahlmagnaten Alexej Mordaschow und die spanische Hotelgruppe Riu sollen zusammen ein Drittel der Aktien halten. Die restlichen Papiere verteilen sich zu etwa 40 Prozent auf institutionelle Anleger wie Fonds und Banken; an die 15 Prozent halten Privatanleger.

Bei der TUI hält man es für möglich, dass Fredriksen seinen Anteil unmittelbar vor dem Aktionärstreffen am 17. Februar noch aufstockt. Eine Möglichkeit dafür bietet die Wandelanleihe, mit der der Konzern Ende Oktober 217 Millionen Euro eingesammelt hatte. Sie kann seit Anfang Januar in Aktien umgetauscht werden. Unter der Voraussetzung, dass Fredriksen die Anleihe in einem Umfang gezeichnet habe, der seinem TUI-Anteil entspreche, könnte das für weitere 3 Prozentpunkte reichen, hieß es.

Eine Sprecherin von Fredriksen wollte dazu am Freitag keine Stellung nehmen.