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Deutschland / Welt Freude und Rätselraten in Osnabrück
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22:39 20.11.2009
Der VW-Konzern will Grundstücke und Anlagen des insolventen Cabrio-Spezialisten Karmann übernehmen. Quelle: ddp

Ebenso wie Betriebsratschef Wolfram Smolinski und Insolvenzverwalter Ottmar Hermann bedankte er sich ausdrücklich bei Ministerpräsident Christian Wulff: Ohne dessen „beharrlichen Einsatz“ hätte es die Lösung nicht gegeben. Vor allem habe der gebürtige Osnabrücker aber die Karmann-Gesellschafter zum Kompromiss bewegt.

Außerdem hat die IG Metall einem Sanierungstarif zugestimmt, der bis 2014 den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld vorsieht. Von 2015 an soll die Belegschaft der neuen „Volkswagen Osnabrück GmbH“ nach dem niedersächsischen Flächentarif bezahlt werden.

Smolinski hofft nun, „dass viele der Karmann-Beschäftigten eine neue berufliche Perspektive finden“. Der Weg dahin ist allerdings weit, denn VW kauft nicht das Unternehmen samt Beschäftigten, sondern allein Grundstücke, Gebäude und Maschinen. Nach dem Abbau von mehr als 6000 Stellen in den vergangenen fünf Jahren arbeiten noch gut 800 Mitarbeiter bei der Karmann GmbH, die von Insolvenzverwalter Hermann geführt wird. Seine Aufgabe bleibt es, Aufträge an Land zu ziehen und Käufer für Unternehmensteile zu suchen. Die vergleichsweise gut beschäftigte Sparte Dachsysteme etwa gehört nicht zu dem Paket, das VW übernimmt.

So ist in Osnabrück die Ratlosigkeit so groß wie die Freude. „Wir müssen erst einmal klären, wer genau bei VW unser Ansprechpartner ist“, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Gerhard Schrader. Klar ist bisher, dass der Konzern mit einer neuen Tochtergesellschaft in Osnabrück von 2011 an wieder Autos bauen will. 200 Mitarbeiter werden recht bald für die Vorbereitung gebraucht, 2014 sollen es rund 1000 sein. Dabei will man bevorzugt ehemalige Karmann-Mitarbeiter einstellen. Sie werden sich aber in einem normalen Verfahren bewerben müssen.

Hermann sucht Wege, die heutige Belegschaft bis dahin weiter in Arbeit zu halten, zum Beispiel durch Aufträge von VW. Während einiges dafür spricht, dass VW die Entwicklungsabteilung übernehmen wird, könnten der Werkzeugbau und die Dachsysteme andere Eigentümer bekommen und als Zulieferer weiter unterschiedliche Kunden bedienen. Insider rechnen damit, dass neben der neuen VW-Kleinserienproduktion freie Zulieferer das Gelände bevölkern werden. So werde trotz des VW-Engagements vom Traditionshaus Karmann nicht viel bleiben – zumal die Wolfsburger auch den Namen nicht übernehmen.

von Bernhard Remmers und Stefan Winter

Ärger im Aufsichtsrat

Ein Vierteljahr nach der grundsätzlichen Einigung haben VW und Porsche die Details ihrer Fusion in Durchführungsverträgen festgezurrt. In der Sitzung des Aufsichtsrats gab es Donnerstagnacht allerdings Meinungsverschiedenheiten: Mit Jürgen Großmann und Roland Oetker stimmten nach Informationen dieser Zeitung zwei Vertreter der Arbeitgeberseite gegen die Verträge.

Die Abneigung Oetkers, der in dem Gremium die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vertritt, sei bekannt gewesen, hieß es. Überrascht habe dagegen die Ablehnung durch den Stahlunternehmer und RWE-Chef Großmann. Er sah offenbar nicht alle Risiken und Haftungsfragen für Volkswagen ausgeräumt.

Am Ergebnis ändern die Gegenstimmen allerdings nichts. Der Zusammenschluss sei eine „einzigartige“ Gelegenheit und „im besten Interesse aller Aktionäre“, erklärte VW. Die nächste Hürde wartet am 3. Dezember, wenn die VW-Aktionäre auf einer Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung genehmigen sollen, die mehrere Milliarden Euro in die Kasse bringen würden. Weil stimmrechtlose Vorzugsaktien ausgegeben werden sollen, die breit gestreut werden, muss der Vorstand die Kleinaktionäre überzeugen.

Ebenfalls noch 2009 will VW 49,9 Prozent der Porsche AG übernehmen. In den nächsten Monaten will man den Familien Porsche und Piëch deren Autohandelskonzern Porsche Holding abkaufen. Haben die Familien die Schulden ihrer Beteiligungsgesellschaft Porsche SE abgetragen, wird diese mit VW verschmolzen. Ihre Aktionäre werden VW-Aktionäre.

von Stefan Winter

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