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Deutschland / Welt Loewe soll zur Lifestyle-Marke werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Loewe soll zur Lifestyle-Marke werden
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22:13 17.01.2014
Nach monatelangem Zittern um ihre Jobs sind die Mitarbeiter des TV-Geräteherstellers Loewe über die Zukunft des Unternehmens informiert worden. Quelle: dpa
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Kronach

Eine Gruppe deutscher Privatinvestoren plant den Neustart des schwer angeschlagenen TV-Geräteherstellers Loewe. Galionsfigur der Käufer ist Jan Gesmar-Larsen, in den neunziger Jahren Europachef bei Apple. Er soll als Beiratsvorsitzender die strategische Neuausrichtung gemeinsam mit dem bisherigen Loewe-Chef Matthias Harsch verantworten, gab die Investorengruppe am Freitag bekannt. Es werden allerdings weitere Mitarbeiter ihren Job verlieren, und auch für die Loewe-Aktionäre dürfte nicht viel übrigbleiben.

Hinter der Panthera GmbH, die Loewe übernimmt, stehen nach Angaben einer Sprecherin neben Gesmar-Larsen die Münchener Beteiligungsunternehmer Constantin Sepmeier und Stefan Kalmund sowie frühere Manager der
HiFi-Firma Bang&Olufsen. Sie wollen Loewe für eine „breitere, jüngere sowie design- und technikaffine Zielgruppe in Europa, Russland und China“ öffnen. Diesen Weg hatte Vorstandschef Harsch bereits eingeschlagen.

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Ein Unternehmenssprecher erklärte, dass Loewe seinem Anspruch treu bleiben werde: „Die Premiummarke steht über allem.“ In der Oberklasse liegen die TV-Geräte von Loewe bei Preisen von rund 2500 Euro aufwärts. Sie werden in Deutschland produziert. Erweitert wurde das Spektrum mittlerweile um Einsteigergeräte ab 800 Euro, die in ihrer Klasse aber ebenfalls Premiumanspruch haben. Mit den neuen Eigentümern werde diese gerade begonnen Strategie nun weiter mit Leben erfüllt.

Von den derzeit noch 550 Beschäftigten in Deutschland könnten 120 Mitarbeiter nicht weiter beschäftigt werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Zum 1. Februar soll eine Transfergesellschaft eingerichtet werden. Die Loewe AG nimmt ihren Abschied von der Börse und wird abgewickelt. Die Montage im oberfränkischen Kronach werde erhalten bleiben, betonten die Investoren. Es handle sich um eines der modernsten europäischen TV-Werke. Ausgebaut werden soll die Kooperation mit dem chinesischen Technologielieferanten Hisense.

Am Freitag wurden die Mitarbeiter am bisherigen Stammsitz Kronach in Oberfranken informiert. Die IG Metall kritisierte den erneuten Stellenabbau nach bereits diversen Kürzungsrunden in den vergangenen Jahren. Nun gebe es weitere Entlassungen, „und das nur, weil eine Marktentwicklung falsch eingeschätzt wurde und eine Reihe von Banken nicht bereit waren, entwickelte Konzepte zu unterstützen“, sagte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.
Loewe hatte nach hohen Verlusten im vergangenen Oktober Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Nun soll die Loewe AG kurzfristig von der Börse genommen werden. Hauptaktionär war bisher nach Angaben von Loewe das ebenfalls angeschlagene japanische Elektronikunternehmen Sharp mit knapp 29 Prozent der Anteile, der Streubesitz lag bei mehr als 60 Prozent.

Nach Angaben der deutschen Investorengruppe hat sie eine Vereinbarung zur Übernahme wesentlicher Vermögensteile von Loewe erzielt. Entwicklungszentren in Kronach und Hannover blieben bestehen. Die Firmenzentrale soll von Kronach nach München verlegt werden. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.

Loewe, in der Vergangenheit auf hochwertige Fernseh- und Audiogeräte spezialisiert, war unter anderem wegen des harten Preiskampfs in der Branche und der starken Konkurrenz aus Fernost in heftige Turbulenzen geraten.

Kathrin Zeilmann und Stefan Winter

Lars Ruzic 16.01.2014
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