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Deutschland / Welt Fünf Jahre nach Pleite beginnt Schlecker-Prozess
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Fünf Jahre nach Pleite beginnt Schlecker-Prozess
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16:14 22.01.2017
Leere Regale: Für die Mitarbeiterinnen brach die berufliche Existenz weg. Hat Anton Schlecker vorher Millionen Euro beiseite geschafft? Foto: dpa Quelle: Hendrik Schmidt
Ulm

An jenem Tag vor fünf Jahren ist Christel Hoffmann im Auto unterwegs. Ihre Gedanken sind, wie so oft, bei „ihren“ Frauen. Mehr als 25 000 Mitarbeiter hat Schlecker in Deutschland, dessen Gesamtbetriebsrat sie leitet. Die weitaus meisten sind Frauen. Hoffmann weiß zwar, dass es in der Firma Probleme gibt. Doch wie bedrohlich sie sind, ahnt sie nicht. Dann klingelt auf halber Strecke zwischen Karlsruhe und Pforzheim ihr Handy. Eine Kollegin sagt: „Christel, im Fernsehen läuft gerade: Schlecker ist pleite.“ Am 23. Januar 2012 sorgt die Nachricht bei den Beschäftigten für Entsetzen.

„Ein rabenschwarzer Tag“

„Es war ein rabenschwarzer Tag“, erinnert sich Hoffmann. „Schock, Panik, Angst, Trauer - das waren die ersten Reaktionen bei Tausenden von uns.“ Die berufliche Existenz schien für die meisten von heute auf morgen wegzubrechen. Das Durchschnittsalter der „Schlecker-Frauen“ habe bei 46,7 Jahren gelegen, berichtet die Ex-Betriebsrätin. Die Bundesagentur für Arbeit bemühte sich um Hilfe.

Einige Betroffene hatten Glück. 2800 kamen bei anderen Drogerieketten unter, einigen gelang der Sprung in die Selbstständigkeit, unter anderem mit kleinen Drogerieläden. Doch bis die Bundesagentur im März 2013 ihr Monitoring der Jobsituation ehemaliger Schlecker-Angestellter beendete, konnte nur knapp die Hälfte der Entlassenen vermittelt werden, die mit Hilfe der Behörde auf Arbeitssuche gingen. Damals waren auch in Niedersachsen noch 1000 frühere „Schlecker-Frauen“ ohne Job. Vier entlassene Mitarbeiterinnen absolvierten bei der Üstra in Hannover eine Ausbildung zur Stadtbahnfahrerin.

„Etlichen blieb gar nichts weiter übrig, als zu deutlich schlechteren Bedingungen zu arbeiten“, sagt Verdi-Sprecherin Eva Völpel. „Sie fanden nur Jobs in Firmen, die nicht nach Tarif bezahlen.“

Hoffen auf die Wahrheit

„Bei Schlecker wurden immerhin Tariflöhne gezahlt“, berichtet Hoffmann. „Er war damals der einzige Drogeriediscounter, der das machte. Das muss man fairerweise sagen, auch wenn wir dafür jedes Jahr kämpfen mussten.“ Was sie Anton Schlecker vorhält, ist weniger die Insolvenz an sich. Weit schlimmer - jedenfalls juristisch - wiegt, wofür sich Anton Schlecker vom 6. März an vor dem Landgericht Stuttgart verantworten muss: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Bankrott vor. Zudem soll er vor dem Zusammenbruch Millionen beiseite geschafft haben. Mitangeklagt sind seine Frau sowie der Sohn und die Tochter.

2006 hatte sich Schlecker gerühmt, „Alleininhaber des größten Drogeriemarktunternehmens der Welt“ zu sein. Am Ende des bis Oktober angesetzten Prozesses könnte der dann 73-jährige Unternehmer aus Ehingen, der einst jüngster Metzgermeister Baden-Württembergs war und 1975 seinen ersten Drogeriemarkt eröffnet hatte, zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt werden.

Was erwartet die einstige Betriebsrätin Hoffmann, die nach Abwicklung aller Verwaltungsaufgaben bei Schlecker als letzte Beschäftigte am 31. Dezember 2015 „das Licht ausmachte“, von dem Prozess? Rache ist es nicht. „Ich hoffe, dass die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt.“ Denn hinsichtlich der konkreten Umstände des Bankrotts liege noch vieles im Dunkeln. „Ist man da eher unverschuldet hineingerutscht oder nicht? Mehr will ich jetzt nicht sagen.“ Verdi-Sprecherin Völpel hat keine hohen Erwartungen „abgesehen von einer symbolischen Genugtuung, wenn die Vorgänge gründlich aufgearbeitet werden und es zu einer Verurteilung kommen sollte“.

Gläubiger hatten insgesamt rund eine Milliarde Euro gefordert. Für die „Schlecker-Frauen“ sei aber kaum mit einer finanziellen Wiedergutmachung zu rechnen, sagt Völpel. „Die Beschäftigten stehen mal wieder als letztes Glied in der Kette, wenn es um Forderungen aus der Insolvenzmasse geht.“

Von Thomas Burmeister

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