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Deutschland / Welt Fünf Konkurrenten auf einer Strecke
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09:10 28.10.2013
Von Lars Ruzic
Längst machen die Anbieter von Fernbusfahrten nicht mehr nur der Bahn Konkurrenz sondern auch sich untereinander. Quelle: dpa
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Hannover

Plötzlich wird Panya Putsathit sehr einsilbig. Genau an dem Punkt, wo man genau das Gegenteil erwarten würde. Zu neuen Verbindungen in den kommenden Monaten könne er nichts Konkretes sagen, bittet der Mitbegründer des Marktführers MeinFernbus um Entschuldigung. Schließlich hätten die Wettbewerber schon mehrfach Buslinien der Berliner kopiert. Je später man eine neue ankündige, desto größer der Zeitvorsprung. „Und der ist extrem wichtig für uns.“

Höchstens sechs Wochen vor der ersten Fahrt bewirbt MeinFernbus inzwischen eine neue Strecke – und nimmt dabei in Kauf, dass die Auslastung anfangs womöglich wenig einträglich ist. Wichtiger ist Putsathit, dass er wenigstens für einige Monate ein Monopol für eine Verbindung hat. Die Zeit genüge, um Nachzügler auf Distanz zu halten. „Unser Netz ist unsere Kernkompetenz“, sagt der Geschäftsführer, der MeinFernbus vor zwei Jahren gemeinsam mit einem früheren Bahnmanager gegründet hat.

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Schon damals agierten die beiden nach dem Prinzip des frühen Vogels, der den Wurm fängt. Obwohl der Fernbusmarkt noch gar nicht liberalisiert war, beantragten sie erste Linien und suchten sich Kooperationspartner unter den Busunternehmern. Zehn Monate nach der Freigabe des Marktes kommt MeinFernbus auf 38 Linien, die von 47 Mittelständlern mit 140 Bussen bedient werden. Sie steuern rund 120 Städte an und haben bislang 2 Millionen Fahrgäste transportiert. Gemessen an den angebotenen Fahrkilometern sei MeinFernbus mit Abstand Marktführer, konstatieren die Forscher des IGES Instituts. Das Unternehmen erreiche einen Marktanteil von 43 Prozent, gefolgt von den Busmarken der Deutschen Bahn mit 25 Prozent.

Wie rasant sich der neue Markt entwickelt, zeigt ein Vergleich: Mehr als ein Jahr haben die Berliner gebraucht, um die erste Million zu erwirtschaften. Für die zweite reichten zehn Wochen. „Der Fernbusmarkt wächst ungebremst“, heißt es in der IGES-Studie. Zweistellige Plusraten belegten, „wie groß der Bedarf an regelmäßigen und bezahlbaren Mobilitätsalternativen zu Privatauto, Flugzeug und Fernzug ist“, sagt Christoph Gipp vom IGES. Die Fernbusse wollen sich vor allem über niedrige Preise und Zusatzangebote wie kostenloses kabelloses Internet von der Konkurrenz absetzen – offensichtlich mit wachsendem Erfolg. Längst seien es nicht mehr nur junge Großstädter, die in den Bussen säßen, berichtet Putsathit. Auch unter Älteren spreche sich herum, dass es hier eine günstige Alternative gebe.

Das Wachstum lockt Wettbewerber an – den britischen Konzern National Express etwa, der unter der Marke „City2City“ seit Anfang April in Deutschland aktiv ist. Oder die Deutsche Post und der ADAC, die den alten Postbus in diesen Tagen wiederbeleben und zunächst mit sechs Linien starten werden. Sie gesellen sich zu MeinFernbus, die Bahn mit ihren Bustöchtern wie BerlinLinienbus oder IC Bus und die Buchungsplattform Flixbus – um die größten Spieler zu nennen.

Die meisten Anbieter setzen dabei allerdings meist auf „Metropolenrenner“ – also Verbindungen zwischen den Großstädten. Mit der Folge, dass sich auf bestimmten Verbindungen – etwa zwischen Berlin und Dresden – schon fünf Anbieter tummeln. Das werde die Konkurrenz zusätzlich verschärfen, prognostiziert das IGES Institut. Alle in der Branche gehen davon aus, dass sich der Markt recht bald konsolidieren wird. Erste Anbieter hätten auch schon wieder die Lust verloren, heißt es – der Discounter Aldi etwa, der mit dem Busunternehmen Univers einsteigen wollte.

Putsathit weiß genau, dass Bahn, ADAC und Post andere Kaliber sind. Deshalb mahnt er schon mal, dass die Staatskonzerne ihre Gewinne aus den Monopolbereichen nicht zur Quersubvention ihres Busgeschäfts und zu Dumpingpreisen nutzen dürften. Und ansonsten setzt er auf die Strategie des frühen Vogels – und darauf, dass ihn die anderen nicht einfangen.

Bis nach Freiburg

Die Fernbuslinien, die ab Hannover verkehren, erstrecken sich in der Regel entlang der Autobahnen 2 oder 7. Nach Dortmund oder Berlin lassen sich deshalb leicht Verbindungen finden. Ähnlich ist es mit Linien nach Hamburg oder Kassel – auch hier zeigen die Anbieter also wenig Mut zum Risiko.

Doch einige Ziele liegen auch weiter entfernt: Flixbus etwa fährt in 7 Stunden und 10 Minuten nach Karlsruhe. MeinFernbus in 8 Stunden und 50 Minuten sogar bis nach Freiburg.

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