Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Für Höft & Wessel wird es eng
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Für Höft & Wessel wird es eng
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:50 19.07.2012
Von Jens Heitmann
Höft & Wessel droht die Insolvenz, das Überleben des hannoverschen Unternehmens hängt von den Banken ab. Quelle: Behrens (Archiv)
Anzeige
Hannover

So heißt es im Geschäftsbericht, den Höft & Wessel am Donnerstag vorgelegt hat. Insgesamt gehe es um ein Volumen von 29 Millionen Euro. Firmengründer Michael Höft zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die eingeleitete Sanierung gelingen wird. „Das Unternehmen hat in der Vergangenheit ziemlich geschlafen“, räumte der 60-Jährige ein. „Wir haben gerade noch rechtzeitig mit den Korrekturen begonnen, um aus dem Unternehmen wieder etwas zu machen.“ Man sei zuversichtlich, dass die Banken die Firma auf diesem Weg unterstützen.

Der neu ernannte Sanierungsvorstand Rudolf Spiller teilt diesen Optimismus. Die neue Führung habe bereits gute Vorarbeit geleistet, „hier gibt es Kraft und Energie“, sagte der 57-Jährige. Man müsse zwar die Kosten weiter senken, dürfe aber Innovationen nicht vernachlässigen. Bisher hat die Firma 60 Stellen gestrichen. Die Wirtschaftsprüfer zeigen sich hingegen skeptisch – ihr Testat fehlt unter dem Jahresabschluss. Der Umsatz war 2011 um 7 Prozent auf rund 88 Millionen Euro gesunken, unter dem Strich fiel wegen hoher Abschreibungen ein Verlust von 13,5 Millionen Euro an.

Anzeige

Höft hatte das Unternehmen mit seinem Partner Rolf Wessel 1978 als Spezialisten für Fahrkartenautomaten, Ticketsysteme und mobile Datenerfassung gegründet und 1998 an die Börse gebracht. Kurze Zeit später zogen sich beide in den Aufsichtsrat zurück. Nach enttäuschenden Quartalszahlen war Höft im Dezember 2011 wieder in den Vorstand eingezogen – und ersetzte kurz darauf Vorstandschef Hansjoachim Oehmen.

Seinem Amtsvorgänger gibt Höft die Hauptschuld für die Schieflage des Unternehmens. Man habe Aufträge um jeden Preis hereingeholt, ohne auf Kosten oder Margen zu achten. Auch beim Management der Projekte habe es schwere Fehler gegeben, Qualitätsmängel hätten zu teuren Nacharbeiten geführt. Zudem habe Oehmen versucht, als Kleinanbieter Branchenriesen wie Motorola auszustechen. „Das ist ein Führungsproblem gewesen“, sagte Höft. Für den Aufsichtsrat seien die Dimension dieser Fehlentwicklung nicht zu erkennen gewesen.

Für den geschassten Vorstandschef Oehmen hat das Konsequenzen: Obwohl sein Vertrag noch bis zum Jahresende läuft, habe man die Zahlungen an ihn eingestellt, berichtete Höft. Auch die 200.000 von ihm gehalten Aktienoptionen seien mit seinem Ausscheiden verfallen. Dem Vernehmen nach prüft der Aufsichtsrat weitergehende Ansprüche an den Manager. Oehmen war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Höft & Wessel erneut mit roten Zahlen. Trotz eines erhöhten Auftragseingangs im ersten Quartal erwarte man einen operativ einen Verlust von 4,9 Millionen Euro, hinzu kämen Kosten für die Restrukturierung in Höhe von 4,8 Millionen Euro. Der Umsatz werde noch einmal zurückgehen, sagt Höft – und zwar auf etwa 78 Millionen Euro.