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Deutschland / Welt Fusion? VW denkt nur an Eingliederung von Porsche
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Fusion? VW denkt nur an Eingliederung von Porsche
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10:33 08.05.2009
Von Stefan Winter
Quelle: David Hecker/ddp
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Die Gefahr sei groß, dass sich VW dann Risiken der hoch verschuldeten Porsche-Gruppe ins Haus hole, hieß es am Donnerstag in Aufsichtsratskreisen. Dort hält man eine Eingliederung von Porsche-Teilen unter dem VW-Dach für sinnvoller - dann blieben die Finanzrisiken draußen.

Die Porsche-Eigentümerfamilien hatten am Mittwoch überraschend ihre Pläne für eine Komplettübernahme von VW fallen gelassen. Stattdessen streben sie nun einen gemeinsamen Konzern an, in dem die Porsche-Sportwagen neben den neun VW-Marken „unter einer einheitlichen Führungsgesellschaft“ geführt werden sollen. In den nächsten vier Wochen soll ein Konzept „unter maßgeblicher Einbeziehung“ des Landes Niedersachsen und der Arbeitnehmervertreter entwickelt werden.

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Mit seinem Angebot stößt Porsche in Niedersachsen auf offene Ohren. Der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zeigte sich gesprächsbereit, allerdings müssten die heutigen Mitbestimmungsrechte erhalten bleiben. Es sei „gut, dass Gespräche geführt werden“, sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Sie sollten „zügig und ergebnisoffen“ sein. Gegen Niedersachsen als zweitgrößten VW-Aktionär können die Porsche-Eigner keins ihrer Konzepte durchsetzen. Die Landesregierung werde den Wirtschaftsausschuss des Landtages noch im Mai ausführlich informieren, sagte Wulff.

Oppositionsführer Wolfgang Jüttner (SPD) sieht in den Porsche-Plänen „eine gute Entwicklung für VW, die Beschäftigten und das Land“. Zwar müssten noch viele Fragen geklärt werden, aber zumindest sei „entschieden, dass die Zockerei von Porsche ein Riesenfehler war.“

Wie der künftige Konzern aussehen wird, ist offen. Wiedeking schwebt eine Fusion vor, also ein völlig neues Unternehmen aus VW und Porsche. „Wir haben unser Konzept durchgesetzt“, sagte er auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart. Das sei „völliger Quatsch“ hieß es dagegen im VW-Aufsichtsrat: „Die Vereinbarung der Familien lässt alles zu.“ Es könne noch zu dem von Ferdinand Piëch favorisierten Verkauf des Sportwagenherstellers an VW kommen.

Damit bliebe auch das VW-Gesetz gültig, was bei Gründung einer neuen Gesellschaft zweifelhaft wäre. In jedem Fall wolle man die Sonderregeln auch in der Satzung eines neuen Gemeinschaftskonzerns verankern, hieß es in Kreisen der Landesregierung. Angesichts der bisherigen Porsche-Haltung wäre das ein „grandioser“ Erfolg.

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