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Deutschland / Welt G-20-Treffen im Zeichen der Bankenrettung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt G-20-Treffen im Zeichen der Bankenrettung
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14:36 15.10.2011
Fitch-Zentrale in New York: Die Drohung der Ratingagentur, die Deutsche Bank und weitere Großbanken herabzustufen, erhöht den Handlungsdruck. Quelle: dpa
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Paris

Bevor sich die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) gestern Abend in Paris trafen, brachten die USA und Japan das Thema noch einmal auf die Tagesordnung.

Deutschland und Frankreich sind bereits in dieser Richtung unterwegs, wollen die Banken allerdings zu eigenen Anstrengungen zwingen. Er habe mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy die Details für eine gemeinsame Position in der EU abgestimmt, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Abend in Paris. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte am Mittwoch den Plan vorgestellt, wonach Banken mit hohem Anleihenrisiko in der Bilanz gezwungen werden sollen, ihr Kapital aufzustocken, notfalls mit staatlicher Hilfe. Auf die Frage, ob Berlin hinter Barrosos Plan stehe, sagte Schäuble: „Ja klar, denn das war ein gemeinsamer Vorschlag von Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel.“

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Die fünf großen Bankenverbände Deutschlands hatten in einem Brandbrief an Schäuble gegen die Pläne für eine höhere Kernkapitalquote protestiert. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnte, Kapitalspritzen gingen an den aktuellen Problemen vorbei und seien auch nicht über den Markt zu finanzieren. Doch die Drohung der Ratingagentur Fitch vom Freitag, die Deutsche Bank und sieben weitere Großbanken in Europa und den USA herabzustufen, erhöhte den Handlungsdruck.

In etwa zehn Tagen, also wahrscheinlich zum EU-Gipfel am 23. Oktober, wollten Frankreich und Deutschland ein neues Konzept für die stärkere Beteiligung privater Anleger an der Sanierung Griechenlands vorlegen, kündigte der französische Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin an. Bisher wollen sich die privaten Geldgeber freiwillig mit einem Forderungsverzicht von 21 Prozent beteiligen. Baroin sagte, es sei nahezu sicher, dass eine höhere Beteiligung nötig sei: „Die Marktsituation hat sich in den vergangenen drei Monaten verschlechtert.“

Auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sprach sich dafür aus, die Banken an der Griechenland-Rettung stärker zu beteiligen. Erwartet wird, dass auch der Internationale Währungsfonds (IWF) weitere Maßnahmen vorlegt. Im Gespräch sind kurzfristige Kreditlinien, um wirtschaftlich gesunden Staaten bei Finanzengpässen zu helfen. Mit solchen Kreditlinien würde die Euro-Zone entlastet.

Nach einem Bericht der „Financial Times“ wollen große Schwellenländer der Euro-Zone zur Hilfe kommen. Im Gespräch sei, den IWF schlagkräftiger zu machen, damit dieser wiederum die Bemühungen der Euro-Zone bei der Krisenabwehr unterstützen könne. Befürworter des Plans seien die G-20-Länder China und Brasilien. Auf dem heute Nachmittag endenden Ministertreffen sollte eigentlich in erster Linie der G-20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November in Cannes vorbereitet werden. Dort sollen weitere Schritte zur Regulierung der Finanzmärkte und zur Reform des Weltwährungssystems getan werden.

Andre Stahl und Tobias Schmidt