Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt GM-Verwaltungsratschef Whitacre gilt als harter Sanierer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt GM-Verwaltungsratschef Whitacre gilt als harter Sanierer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:34 04.11.2009
"Big Ed": GM-Verwaltungsratschef Edward Whitacre. Quelle: afp/Archiv
Anzeige

Es ist nicht unbedingt ratsam, sich Edward Whitacre in den Weg zu stellen. Das ist jedenfalls die Erfahrung jener Klapperschlangen, die dem neuen Verwaltungsratschef von General Motors zu nahe gekommen sind. Auf seiner Farm in Texas entledigt sich Whitacre der Giftreptilien, indem er ihren Leib mit einem Stock fixiert und ihren Kopf mit einem Stein zerschmettert, wie US-Medien berichten. Die Botschaft, dass Whitacre seine Ziele mit Härte verfolgt, hat spätestens in der Nacht zu Mittwoch auch die GM-Tochter Opel und die Regierung in Berlin erreicht.

Whitacre steht an der Spitze des GM-Verwaltungsrats, der den Verkauf von Opel an ein Konsortium um den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna spektakulär platzen ließ. Der Detroiter Konzern möchte unter dem Spitzenmanager, der wegen seiner Körpergröße von 1,90 Metern den Spitznamen „Big Ed“ trägt, mit dem Europa-Standbein Opel als globaler Mitspieler im weltweiten Geschäft bleiben. Das Gremium hob damit unter Whitacres Leitung seine Verkaufszusage an Magna vom September auf.

Anzeige

Erst im Juni wurde Whitacre, der am Mittwoch 68 Jahre alt wurde, an die Spitze des Verwaltungsrats von „New GM“ berufen. Von Autos versteht er nach eigener Einschätzung wenig, seine Karriere hat der Texaner in der Telekom-Branche gemacht. 17 Jahre lang stand er an der Spitze des Telefonkonzerns AT&T, mit einem aggressiven Expansions- und Sanierungskurs machte er ihn zum Marktführer in den USA - auch für Opel kündigte GM nun einen Sanierungskurs an. Vor zwei Jahren verabschiedete ihn AT&T mit einem Pensionspaket von 158 Millionen Dollar in den Ruhestand, aus dem ihn GM zurückholte.

Bei dem Detroiter Autokonzern erwartete Whitacre eine Aufgabe, die er bei AT&T in seinen Jahren als Chef erfolgreich bewältigt hatte: die umfassende Modernisierung eines Unternehmens. Früher als andere hatte Whitacre das Potenzial von Mobiltelefon- und Internetverbindungen erkannt und aus AT&T, dessen Geschäft vor allem auf der veralteten Festnetz-Technologie beruhte, ein modernes Kommunikations-Imperium geschmiedet. In der stark regulierten Telekom-Branche arbeitete Whitacre eng mit Regierungsstellen zusammen. Diese Erfahrungen könnten beim Autokonzern GM nützlich sein, der inzwischen mehrheitlich dem Staat gehört und dringend neue Produkte braucht.

Dem Verwaltungsrat von GM war in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen worden, zu zahm und zu nachsichtig mit leistungsschwachen Managern gewesen zu sein. Whitacre steht in dieser Hinsicht für eine neue Kultur in Detroit: Der Hobby-Farmer aus Texas gilt als konfliktfreudig und als Freund offener Worte. Das „Wall Street Journal“ verglich seinen Führungsstil einmal mit einem „Bulldozer“.

In seiner Kindheit schoss Whitacre Kaninchen, heute rumpelt er in seiner Freizeit gerne mit dem Bagger über sein Farmland in Texas. Gerade Whitacres Härte dürfte die US-Regierung als neue GM-Mehrheitseignerin bewogen haben, ihn nach Detroit zu berufen. Whitacre sei ein Mann für „harte Entscheidungen“, beschrieb ihn Präsidentensprecher Robert Gibbs. „Was wir benötigt haben, ist ein gewiefter Manager, der ein Unternehmen in den Griff nehmen und seine Kultur verändern kann.“

afp