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Deutschland / Welt GSW verschiebt Börsengang
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt GSW verschiebt Börsengang
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19:09 05.05.2010
Quelle: dpa
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Das Vorhaben ist jedoch vorerst gescheitert. Mangels Interesse und wegen der verschlechterten Lage an den Finanzmärkten wurde der Börsengang in der Nacht zu Mittwoch abgesagt. Ein neuer Termin wird nicht genannt. Die Volatilität und Unsicherheit an den Aktienmärkten hätten seit Bekanntgabe der Börsenpläne stark zugenommen, begründet die GSW die Absage. Ein Sprecher lehnte jeden weiteren Kommentar ab. In Bankenkreisen war allerdings zu hören, dass die Immobilienaktie angesichts einer Preisspanne zwischen 15 und 18,50 Euro nur auf verhaltenes Interesse gestoßen sei.

Die amerikanischen Finanzinvestoren hatten die GSW vor sechs Jahren vom Land Berlin erworben. Die Privatisierung des größten Berliner Wohnungsunternehmens war im Senat umstritten, wurde wegen der Finanznot der Hauptstadt aber von Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) durchgesetzt.

Neben verschärftem Mieterschutz bekamen die Käufer die Auflage, die GSW-Mehrheit nicht vor 2014 an die Börse bringen zu können. Von dieser Auflage befreiten sich die Investoren kürzlich durch die Zusage, 30 Millionen Euro extra an das Land zu zahlen. Dieses Geld soll nun trotz vorläufiger Absage des vorzeitigen Börsengangs fließen. „Wir erwarten die Zahlung bis nächsten Montag“, betonte ein Sprecher von Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum.

Cerberus und Goldman Sachs wollten beim Börsengang ihre Anteile an der einst gemeinnützigen Wohnungsfirma auf 37 Prozent verringern. Neben 19 Millionen Aktien aus dem Besitz der Finanzinvestoren sollten 9,3 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung angeboten werden. Damit wären den Amerikanern bis zu 351 Millionen Euro und dem Unternehmen 140 Millionen Euro für Investitionen und Schuldenabbau zugeflossen.

Die GSW ist mit 1,7 Milliarden Euro hoch verschuldet. Dies sind rund 100 Millionen Euro mehr als beim Einstieg der Finanzinvestoren. Cerberus und Goldman Sachs hatten für die damals noch 66.000 GSW-Wohnungen 405 Millionen Euro gezahlt, sich aber zu hohen dreistelligen Investitionen von 450 Millionen Euro verpflichtet. Diese Auflage sei erfüllt, sagte ein GSW-Sprecher.

Rund 17.000 Wohnungen wurden zudem seither verkauft, meist an andere Finanz- und Immobilienunternehmen. Mieterverbände waren zu keiner Zeit begeistert von der Privatisierung. Die Mieten seien erhöht, die Verwaltungen stark rationalisiert worden, kritisierte der Berliner Mieterverein. Der GSW-Verkauf wäre nun der erste Börsengang eines Wohnungsunternehmens seit mehr als drei Jahren gewesen.

Thomas Wüpper