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Deutschland / Welt Gasherde müssen umgerüstet werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Gasherde müssen umgerüstet werden
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19:57 15.05.2015
Die Gasgeräte bekommen – je nach Modell – andere Düsen, und die Luftzufuhr wird anders eingestellt. Quelle: dpa
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Bonn/Hannover

Deutschland geht das Erdgas aus. In den beiden wichtigsten deutschen Förderregionen Elbe-Weser und Weser-Ems hat sich die Förderung zwischen 2006 und 2013 fast halbiert, und sie wird nach den Prognosen des Branchenverbandes WEG weiter zurückgehen. Gleichzeitig haben die Niederlande als wichtigster Lieferant in der Nachbarschaft angekündigt, ihr Angebot von 2020 an drastisch zu verringern – unter anderem wegen der Erdbeben rund um das Gasfeld Groningen. Bis 2030 muss damit rund ein Drittel der Gaslieferungen in Deutschland ersetzt werden.

Die Gaswirtschaft beginnt deshalb mit einem Milliardenprojekt: Sie muss ihre Netze umbauen, um zusätzliche Lieferströme aus Russland, Norwegen oder anderen Quellen aufnehmen zu können – und sie muss die fünf Millionen Endgeräte an eine veränderte Gasqualität anpassen.

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In diesem Jahr hat die Kleinstadt Schneverdingen als erste Kommune damit begonnen. Rund 6000 Haushalte müssen in dem Ort in der Lüneburger Heide umgestellt werden. Die Gasgeräte bekommen – je nach Modell – andere Düsen, und die Luftzufuhr wird anders eingestellt.

Das deutsche und niederländische Gas, das sie bisher befeuert, hat einen niedrigeren Energieinhalt (Brennwert). Fachleute sprechen von L-Gas (für „low“, niedrig). Künftig stellen die Stadtwerke Schneverdingen auf H-Gas („high“) mit höherem Brennwert um, wie es Russland, Norwegen und Großbritannien anbieten. Dasselbe passiert schrittweise in den kommenden 15 Jahren überall im Norden und Westen, wo bisher weitgehend einheimisches und niederländisches L-Gas verwendet wird. Hannover sei als eine der letzten Städte dran, heißt es bei den Stadtwerken. Der genaue Zeitpunkt der Umstellung sei noch unklar.

Der Umbau der Gasthermen, Herde oder Durchlauferhitzer von L- auf H-Gas ist eine Mammutaufgabe: Mit rund 450 000 Anpassungen pro Jahr rechnet der Chef des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches, Prof. Gerald Linke. Derzeit werden dafür Fachunternehmen zertifiziert und Monteure geschult. Die Kosten schätzen Fachleute auf im Schnitt 250 Euro je Gerät.

Die Arbeiten beginnen absichtlich in dem überschaubaren Gebiet in der Lüneburger Heide, um Erfahrungen zu sammeln. Dann folgen in den Jahren bis   2030 unter anderem weitere Regionen in Niedersachsen, Bremen, große Teile Nordrhein-Westfalens und der Frankfurter Raum. Außerdem müssen Pipelines gebaut werden, um das zusätzliche Gas aus dem Ausland hierher zu transportieren.
Im aktuellen Entwurf des Netzentwicklungsplans Gas sind fast 300 Kilometer Leitungsneubau und zahlreiche Neubauten oder Erweiterungen von Verdichterstationen für die Gasumstellung enthalten. Kostenpunkt: 1,7 Milliarden Euro. „Mit der Umstellung von L- auf H-Gas packen wir das wohl größte Infrastrukturprojekt im Bereich der Gasversorgung an“, sagt der Vizepräsident der Bundesnetzagentur, Peter Franke.

Von Rolf Schraa