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Deutschland / Welt Gasinfrastruktur: „Das sicherste Transitland ist die Ostsee“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Gasinfrastruktur: „Das sicherste Transitland ist die Ostsee“
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23:37 25.01.2009
Von Stefan Koch
Um gegen Lieferengpässe gewappnet zu sein, soll die Gasinfrastruktur verbessert werden. Quelle: Jens Schlueter/ddp
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Um das eigene Geschäft zu „optimieren“, sei die Kasseler Wintershall-Tochter Wingas bereit, bis zum Jahr 2015 3 Milliarden Euro in den Ausbau der europäischen Erdgasinfrastruktur zu investieren und neue Erdgasspeicher und Pipelines zu bauen. „Noch in diesem Jahr könnten einige der Projekte vorzeitig beginnen und 500 Millionen Euro in den Ausbau der deutschen Erdgasinfrastruktur fließen“, hob Vorstandsmitglied Rainer Seele gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hervor.

Nach dem Gasstreit will sich Wintershall zudem für den zügigen Bau der Ostsee-Pipeline einsetzen. „Wir müssen alles dafür tun, dass die Genehmigungen kommen. Wir werden unseren milliardenschweren Beitrag dazu leisten trotz der Finanzkrise“, sagte Seele. „Das sicherste Transitland ist die Ostsee.“ Die BASF-Tochter will die Pipeline zusammen mit e.on, der russischen Gazprom und der niederländischen Gasunie bauen. Durch die Leitung soll ab Ende 2011 Gas von Sibirien nach Deutschland fließen. Das mehr als 7 Milliarden Euro teure Projekt trifft jedoch in Schweden und in den baltischen Staaten auf Widerstand.

Auch der Gasnetzbetreiber Gasunie hält die geplante Ostsee-Route zur Sicherung der europäischen Gasversorgung für unverzichtbar. „Es ist absolut notwendig, dass das Gas kommt“, sagte Gasunie-Chef Marcel Kramer am Rande einer Energiekonferenz in Berlin. Die Behörden sollten den Bau der Leitung vorantreiben. „Der Zeitplan ist ehrgeizig, aber machbar.“

Ein Resümee aus dem Gasstreit sei, dass die Netze in Europa insgesamt ausgebaut werden müssten, sagte ein e.on-Sprecher in Essen. Gleichwohl werde sich Ruhrgas bei seinem russischen Gaslieferanten Gazprom um Schadenersatz bemühen. „Wenn wir ermittelt haben, wie groß unser Schaden ist, werden wir sicher mit Gazprom reden“, kündigte der Sprecher an. Nach dem zweiwöchigen Lieferstopp erhalte e.on wieder die vertraglich vereinbarten Gasmengen aus Russland über die Ukraine. Den Verlust aus dem Gasstreit für sein Unternehmen könne er noch nicht beziffern. Ruhrgas habe sicher erhebliche Aufwendungen gehabt, aber durch die Hilfslieferungen nach Südosteuropa auch Zusatzgeschäfte gemacht.

e.on-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg hatte in dieser Woche den südosteuropäischen Ländern vorgeworfen, zu wenig in den Ausbau ihrer Infrastruktur oder in Speicher investiert zu haben. Der nun geschlossene Zehn-Jahres-Vertrag zwischen Russland und der Ukraine entspanne zwar die Situation. Der Vertrag gelte aber nur so lange, wie die Ukraine zahlungsfähig sei. Reutersberg: „Wir müssen die innenpolitische Situation der Ukraine daher im Auge behalten“. Das Land sei von der Finanzkrise stark betroffen und wirtschaftlich geschwächt.