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Deutschland / Welt Gazprom sichert Deutschland Gasversorgung zu
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Gazprom sichert Deutschland Gasversorgung zu
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20:13 06.01.2009
Trotz des Gasstreits mit der Ukraine soll die Versorgung in Deutschland nicht gefährdet sein. Quelle: Joe Klamar/AFP
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Medwedew machte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Glos ausschließlich die Ukraine für die Lieferausfälle verantwortlich. Er bekräftigte zugleich, dass Gazprom bereit sei, „Tag und Nacht“ mit Kiew zu verhandeln. In Deutschland machten sich nach Angaben der großen Importeure Eon Ruhrgas und Wingas erste Lieferkürzungen bemerkbar. Eon Ruhrgas warnte vor Gasengpässen, bezeichnete die Versorgung derzeit jedoch noch als gesichert, weil dass Unternehmen vorgesorgt habe, sein Gas aus verschiedenen Quellen beziehe und über Reserven in Speichern verfüge.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte, zum Ausgleich der Schwankungen könnten Lieferungen etwa aus Norwegen oder den Niederlanden erhöht werden. Deutschland verfüge außerdem über die höchste Erdgas-Speicherkapazität in Europa.
Von den Engpässen sind vor allem Ost- und Südosteuropa betroffen. Aber auch in Italien und Frankreich waren Erdgaslieferungen aus Russland deutlich reduziert. Ein Sprecher des italienischen Energieunternehmens ENI sagte im Fernsehsender Sky24, am Dienstagmorgen seien nur zehn Prozent der üblichen Erdgaslieferungen aus Russland eingetroffen. In Frankreich ging die gelieferte Gasmenge am Dienstag um über 70 Prozent zurück, wie der Konzern GDF-Suez bekanntgab.
In Ungarn und Bosnien brach die Versorgung mit russischem Erdgas unterdessen vollständig zusammen. Der ungarische Energieminister Csaba Molnar sagte, die Lieferung sei um 15.30 Uhr (MEZ) gestoppt worden. Eine Entscheidung über eine mögliche Reduzierung des Gasverbrauchs duch große Konsumenten solle in der Nacht zum Mittwoch getroffen werden.
Besonders dramatisch war die Lage in Bosnien, das über dieselbe Pipeline wie Ungarn versorgt wird und vollständig von russischen Erdgaslieferungen abhängig ist. Das bosnische Gasunternehmen BH-Gas teilte mit, es sei durch die ungarische Gastransportfirma FGSZ darüber informiert worden, dass Russland und die Ukraine die Gaslieferungen nach Bosnien-Herzegowina zu 100 Prozent gestoppt hätten. Die Slowakei rief den Energienotstand aus, Bulgarien rationierte die Gasversorgung für die Industrie.
Die Europäische Union kritisierte das Ausbleiben der Gaslieferungen aus Russland als „vollkommen inakzeptabel“. Brüssel forderte die sofortige Wiederaufnahme der Gaslieferungen in die EU. Zudem müssten Russland und die Ukraine „sofort“ ihre Verhandlungen wieder aufnehmen, um ihren „bilateralen Handelskonflikt“ abschließend zu lösen. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft erwog ein Gipfeltreffen mit Russland und der Ukraine zur Lösung des Streits. Der Chef des ukrainischen Gasversorger Naftogaz, Oleg Dubina, gab kurz darauf bekannt, er werde am Donnerstag zu Gesprächen mit Gazprom nach Moskau reisen.
Die EU-Mitgliedstaaten beziehen rund 40 Prozent ihres importierten Gases aus Russland. Rund 80 Prozent werden über die Ukraine geliefert. Deutschland ist so abhängig von russischem Gas wie sonst kein großes europäisches Industrieland.

afp