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Deutschland / Welt Geldautomaten werden zur Gebührenfalle
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Geldautomaten werden zur Gebührenfalle
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19:21 29.01.2010
Zehn Banken verlangen von den Kunden 10 Euro, wenn sie ihr Konto bei einem anderen Geldinstitut haben. Quelle: ap
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Die hohen Gebühren an Geldautomaten sind Verbraucherschützern und Politikern ein Dorn im Auge. FDP-Verbraucherschutzexperte Hans-Michael Goldmann kündigte am Freitag an, Vertreter der Kreditwirtschaft im Bundestagsausschuss für Verbraucherschutz zu den Gebühren für EC-Kartennutzer befragen zu wollen. Die Kostensteigerungen für Fremdabhebungen seien nicht zu rechtfertigen, sagte der Finanzexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, Manfred Westphal.

Eine Studie der FMH Finanzberatung hatte zuvor ergeben, dass die Gebühren an den Geldautomaten innerhalb der vergangenen sechs Monate um 13 Prozent auf durchschnittlich 5,64 Euro gestiegen sind. Zehn Banken verlangen von den Kunden sogar 10 Euro, wenn sie ihr Konto bei einem anderen Geldinstitut haben.

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Die Verbraucherschützer bündeln ihre Kritik in zwei Punkten: Zum einen könnten Kunden die Höhe der Gebühren immer schlechter erkennen, da die Kosten für die Abhebung der Studie zufolge längst nicht überall am Automaten vermerkt werden. Zum anderen nutzten die Banken den Service für Fremdkunden, um sich die Taschen voll zu machen. Eine Abbuchung koste eine Bank im Schnitt weniger als einen Euro, sagte Westphal. In einigen Fällen hätten Institute sogar doppelt abkassiert: Einmal durch die übliche Gebühr über die Hausbank des Kunden und dann noch einmal per direkter Abbuchung vom Konto des Karteninhabers. Die Gebühren sollten sich an den tatsächlichen Kosten orientieren, forderte Westphal.

Die Banken dürfen die Höhe ihrer Automaten-Gebühren seit einigen Jahren selbst festlegen. Laut FMH-Studie machen sie davon ausgiebig Gebrauch: So könne für 50 Euro Bargeld ein Entgelt von 20 Euro fällig werden. Die Hausbanken gingen allmählich dazu über, die höheren Gebühren an ihre Kunden weiterzugeben.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die Höhe der Gebühren, die von einzelnen Mitgliedern erhoben werden. „Wir haben in Deutschland einen harten Wettbewerb“, sagte eine Verbandssprecherin. Die Sparkassen-Kunden bezahlten das Automatennetz mit ihren Kontoführungsgebühren – im Gegenzug müssten sie nur selten bei anderen Banken Geld abheben, wie eine Umfrage ergeben habe.

„Es geht nicht um Kosten, sondern darum, den Wettbewerbern das Leben schwerzumachen“, sagte hingegen ein Sprecher der Direktbank ING-Diba. So verlangten manche Institute bis zu 20 Euro pro Abhebung von der ING-Diba. Den Kunden koste eine Abhebung mit der Girokarte (ehemals EC-Karte) jedoch nur 5 Euro, den Rest trage die Bank. Das Geschäftsmodell der Direktbank sei dadurch aber noch nicht bedroht.

Inzwischen hat sich auch das Bundeskartellamt in den Zwist unter den Banken eingeschaltet. „Uns liegen Beschwerden vor“, sagte ein Behördensprecher. Ein Kartellverfahren sei noch nicht eröffnet worden, die Vorwürde würden aber geprüft.

ap