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06:15 18.07.2012
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Wer sein Girokonto überzieht, muss kräftig Zinsen zahlen: 13 Prozent oder mehr werden fällig.
Wer sein Girokonto überzieht, muss kräftig Zinsen zahlen: 13 Prozent oder mehr werden fällig. Quelle: dpa
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Hannover

Hannover. Das Problem ist schon lange bekannt: Banken und Sparkassen bekommen zu Minizinsen Geld von der Zentralbank und ihren Kunden, umgekehrt jedoch verlangen sie für Überziehungen auf dem Girokonto happige Zinsen, die im Extremfall über 18 Prozent erreichen können. Auch die jüngste Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank ist für die Institute offenbar kein Grund, die Zinsen für die sogenannten Dispokredite zu senken.

Derzeit verlangen die meisten Geldhäuser von ihren Privat- oder kleinen Geschäftskunden für eingeräumte Überziehungen auf dem Girokonto um die 13 Prozent. Zum Beispiel sind es bei der Sparkasse Hannover 13,11 Prozent, bei der Commerzbank 13,24 Prozent und bei Hannoverschen Volksbank 12,95 Prozent. Deutlich günstiger sind die Angebote von einigen filiallosen Direktbanken wie der DKB mit 7,9 Prozent und der ING Diba mit 8,75 Prozent. Erheblich teurer wird es noch, wenn der Bankkunde sein Girokonto über den vereinbarten Kredit hinaus überzieht. Dann werden häufig 17 bis 18 Prozent oder sogar noch höhere Zinsen fällig.

Verbraucherschützer finden solche Zinssätze deutlich überhöht. Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht einen Grund dafür in mangelndem Wettbewerb. Speziell auf dem Land gebe es oft nur eine Sparkasse und eine Volksbank. Zwar wäre auch ein Wechsel zu einer Direktbank möglich, aber das sei eher Theorie: „Die meisten Verbraucher benötigen einen Ansprechpartner vor Ort.“ Gernt spricht sich ebenso wie Finanzexperte Manfred Westphal vom Verbraucherzentrale Bundesverband für Schritte des Gesetzgebers aus. Das könnte zum Beispiel auf eine verbindliche Obergrenze hinauslaufen.

Ärger über die üppigen Zinsen gibt es auch bei den Handwerkern. Hildegard Sander, Wirtschaftsreferentin der Landesvertretung der Handwerkskammern, weist auf die große Diskrepanz zwischen normalen Krediten und den Dispokrediten hin. „Die Kreditzinsen sind generell niedrig, dies gilt aber nicht für den Kontokorrentkredit.“ Viele Handwerker seien auf diesen jedoch angewiesen, weil er ihnen die nötige Flexibilität gebe. „Ein Zinssatz von über 10 Prozent passt nicht“, meint Sander.

Vertreter der Kreditinstitute weisen darauf hin, dass der Dispokredit nur zur Überbrückung von kurzfristigem Liquiditätsbedarf dient. „Er ist für größere Anschaffungen nicht geeignet“, erklärt eine Sprecherin der Sparkasse Hannover. „Unsere Berater sprechen die Kunden bei längerer Inanspruchnahme des Dispositionskredites aktiv auf bessere Lösungen an“, erklärte ein Sprecher der Hannoverschen Volksbank.

Für die Banken dürfte der hohe Zins für Kredite auf dem laufenden Konto jedoch vor allem unter Ertragsgesichtspunkten eine wichtige Rolle spielen. So rutschen von dem mehr als 400.000 Privatkonten allein bei der Sparkasse Hannover nach Angaben der Sprecherin „mehr als die Hälfte“ ab und zu, häufig oder sogar regelmäßig ins Minus. Da kommt bei einem Zinssatz von über 13 Prozent Einiges an Erträgen zusammen.

Auch die Bundesregierung kümmert sich inzwischen um das Thema. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sieht ein Missverhältnis zwischen den Geldbeschaffungskosten der Banken und den Zinsen für Kredite auf dem Girokonto. Die von ihr in Auftrag gegebene Studie zu dem Problem ist inzwischen abgeschlossen. Ergebnisse mit möglichen Handlungsempfehlungen sollen nach Angaben eines Sprechers demnächst veröffentlicht werden.

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