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Deutschland / Welt Geldwäsche-Verdacht am Nürburgring
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Geldwäsche-Verdacht am Nürburgring
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14:52 16.07.2009

Nun gerät auch die Firma ins Visier der Ermittler, die die Immobilien am Ring kaufen wollte: die deutsch-luxemburgische Firma Pinebeck.

Bereits im Juni ging bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt eine Anzeige auf Geldwäsche-Verdacht ein, die am vergangenen Freitag an die Staatsanwaltschaft Frankfurt weitergeleitet wurde, wie der stellvertretende Sprecher der Behörde, Jörg Claude, bestätigte. Seinen Angaben zufolge wurde die Anzeige von einem deutschen Kreditinstitut erstattet. Geldinstitute seien nach dem Geldwäsche-Gesetz verpflichtet, bei verdächtigen Transaktionen Anzeige zu erstatten, „so ist das hier auch gewesen“.

Nach ddp-Informationen betrifft die Anzeige die beiden Pinebeck-Geschäftsführer Michael Merten und Normann Böhm. Einer der beiden soll demnach einen mittelhohen fünfstelligen Euro-Betrag auf ein Konto eingezahlt haben, der offenbar auffiel. Claude wollte zu weiteren Details wie Namen keine Auskunft geben. Es sei aber bei einer solchen Anzeige üblich, dass Namen und auch Kontodaten genannt würden, sagte er. Es werde nun geprüft, „ob man ein Verfahren einleitet“.

Pinebeck-Chef Merten war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unter der Usinger Telefonnummer des Unternehmens meldete sich lediglich die Mitarbeiterin eines Steuerberaters, die versprach, die Anfrage weiterzuleiten. Eine Reaktion folgte nicht.

Für die rheinland-pfälzische Grünen-Chefin Eveline Lemke war eine solche Anzeige indes nur „eine Frage der Zeit“. Sie zieht den Verdachtskreis noch weiter: Das gesamte Firmengeflecht am Ring gebe Hinweise auf ein mögliches Geldwäsche-Geschäft. Am Nürburgring sei „um dubiose Geschäftspartner herum“ ein verschachteltes Konstrukt von Firmen aufgebaut worden, das mit seiner Intransparenz „typisch für Geldwäsche“ sei, sagte Lemke, die selbst Unternehmensberaterin ist.

Teil des Konstruktes sei, so Lemke, dass die Geldströme der einzelnen Privatfirmen am Ring in der Cash Settlement und Ticketing GmbH (CST) zusammengeführt würden. Die sei für die Kundenkarte der Ring-Erlebniswelt zuständig und wickele deshalb auch die kundenbezogenen Geldtransfers zwischen den Firmen ab.

Das Konstrukt ermöglicht nach Lemkes Einschätzung aber auch, andere Geldströme zwischen den Firmen abzuwickeln - und zu verschleiern. Für die Behörden sei es ausgesprochen schwierig, die einzelnen Geldflüsse nachzuvollziehen. Über das Konstrukt bestehe auch die Möglichkeit, mit Bareinzahlungen Gelder zu waschen.

CST-Geschäftsführer Kai Richter wies den Vorwurf gegenüber ddp zurück. Mit dem Thema Geldwäsche „habe ich nichts zu tun“, betonte Richter, der Inhaber der Firma Mediinvest ist. Mediinvest trägt zusammen mit der Landestochter Nürburgring GmbH jeweils zu gleichen Teilen die Abrechnungsgesellschaft CST. Über die Mediinvest-Tochter Motorsport Resort GmbH hat Richter zudem gemeinsam mit einer ebenfalls beteiligten österreichischen Baufirma am Ring das Lindner Congress Hotel, das Eifeldorf Grüne Hölle, das Freizeitdorf in Drees sowie das Personalhaus in Adenau gebaut.

Über die CST würden alle Zahlungen der Besucher abgewickelt, erläuterte Richter: „Das Bezahlen rund um alle Nürburgring-Angebote funktioniert bargeldlos.“ Der Kunde erhalte eine Karte, die ihm Zugang zu seinem Tribünenplatz gewähre, mit der er das Mittagessen bezahle, die Achterbahn Ring Racer und das Bier in der Kneipe. Die zentrale Erfassung der Beträge sei ein „ganz, ganz wertvoller Beitrag, um alle Umsätze centgenau zu erfassen“, sagte Richter. Das sei das „Zahlungssystem der Zukunft“ und schlicht nötig, um solche Großveranstaltungen managen und auch steuerlich optimal erfassen zu können.

Verbindliche Verträge über den Verkauf seiner Gesellschaften und Immobilien am Nürburgring an Pinebeck gebe es nicht, betonte Richter. Gespräche darüber seien relativ früh wegen des fehlenden Nachweises der Zahlungsfähigkeit abgebrochen worden. Auch den Vermittler Barandun kenne er nicht: „Mit dem hatten wir nie etwas zu tun.“

Pinebeck hatte ursprünglich mit Hilfe des Schweizer Finanzvermittlers Barandun die Immobilien der neuen Erlebniswelt am Nürburgring kaufen wollen. Das Geschäft war vergangene Woche endgültig geplatzt, nachdem Barandun angeblich ungedeckte Schecks und die gefälschte Unterschrift eines amerikanischen Großinvestors vorgelegt haben soll. Mit diesem Vorgang beschäftigt sich inzwischen die Staatsanwaltschaft Koblenz. Ermittlungen wegen Geldwäsche führt die Koblenzer Staatsanwaltschaft allerdings nicht.

ddp

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