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Deutschland / Welt Gnadenfrist für Air Berlin
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Gnadenfrist für Air Berlin
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12:27 24.10.2015
Flugbegleiterinnen von Air Berlin und Etihad Airways bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Unternehmen. Quelle: dpa
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Berlin

Die Aufsichtsbehörde hatte bereits im Sommer 34 von 65 gemeinsamen Verbindungen untersagt. Mindestens 29 werden weiter als unzulässig betrachtet. Grund ist das Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), das die Starts und Landungen von Airlines aus den Golfstaaten beschränkt. Damit sollen europäische Fluglinien vor der starken Konkurrenz aus den reichen Ölstaaten geschützt werden. Allerdings können die Beschränkungen durch trickreiche Kooperationen mit europäischen Airlines wie das Codesharing unterlaufen werden.

Air Berlin und Etihad bieten bereits seit drei Jahren gemeinsame Flüge an. Das soll vor allem den deutschen Marktführer, die Lufthansa, verärgert haben, der selbst in der Ertragskrise steckt. Der Streit hinter den Kulissen beschäftigte in den letzten Monaten gleich mehrere Bundesministerien und Landesregierungen. Denn für Air Berlin geht es womöglich um die Existenz. Seit Jahren kann die hochdefizitäre Airline nur dank Kapitalspritzen der Araber in dreistelliger Millionenhöhe weiterfliegen. Sollte Etihad das Interesse verlieren, droht der zweitgrößten deutschen Fluglinie das Aus.

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Erst vor wenigen Tagen hatten Betriebsräte von Air Berlin in einem Brief an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor dem Ende der Airline und dem Verlust von mehr als 8000 Arbeitsplätzen gewarnt. Auch für den unfertigen Hauptstadtflughafen BER wäre der Absturz von Air Berlin verheerend; das Unternehmen soll dort künftig einer der wichtigsten Anbieter sein. Dobrindt ist als Fachminister für die Luftfahrtbehörde zuständig. Aus Kreisen der Berliner CDU wird dem Bayer ein Interessenkonflikt vorgeworfen, da ein Erfolg der Araber vor allem die Lufthansa schwächen könnte, die am Flughafen München ihr zweites Drehkreuz betreibt.

Nun können alle Beteiligten kurz durchatmen. Das Verwaltungsgericht Braunschweig verpflichtete die Behörde, Etihad den Winterflugplan für Fluglinien- und Codesharing-Dienste zumindest befristet bis zum 8. November 2015 zu genehmigen. Angeblich haben Etihad und Air Berlin bereits 82 000 Reisen für die umstrittenen Routen verkauft.
Betroffen sind vor allem Flüge zwischen Berlin, Stuttgart sowie Düsseldorf auf der einen und Abu Dhabi auf der anderen Seite. Air Berlin bringt das rund 140 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, Etihad mehr Verkehr aus Europa für sein internationales Drehkreuz am Golf sowie den Passagieren mehr und bessere Flugverbindungen.

Von Thomas Wüpper