Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Gen-Honig darf nicht in den Handel
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Gen-Honig darf nicht in den Handel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 06.09.2011
Gen-Honig darf nicht mehr in den Handel. Quelle: dpa
Anzeige
Luxemburg

Sonst darf die Ware nicht in den Handel gelangen, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Dienstag in Luxemburg entschied (Rechtssache C-442/09). Dies sei unabhängig von der Menge an Genspuren in dem Produkt.
Im konkreten Fall ging es um Honig aus Bayern, der Pollen des gentechnisch veränderten Maises vom Typ MON 810 enthielt. Da dieser in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen ist, dürfe der Honig nicht mehr verkauft werden, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Imker könnten von Bauern nun Entschädigung verlangen, wenn ihr Honig Spuren von Gentechnik enthalte, erklärte das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik.

Das Bundesagrarministerium will das Urteil prüfen und mit den zuständigen Überwachungsbehörden der Länder über Konsequenzen beraten. Dabei gehe es nun besonders darum, „wie die Vorgaben des Gerichts für den Handel mit Honig möglichst schnell umgesetzt werden können“, sagte ein Sprecher in Berlin. Zudem sei die EU-Kommission gebeten, einen Vorschlag über ein einheitliches Vorgehen in der gesamten EU vorzulegen.

Anzeige

Das Urteil gilt als wegweisend. Vor allem Importhonig aus Nord- und Südamerika, wo weitaus mehr Genpflanzen angebaut werden als hierzulande, dürfte betroffen sein. Der Richterspruch ist auch eine Schlappe für die EU-Kommission und die Agrarindustrie. Die EU-Kommission hatte argumentiert, der Honig bedürfe keiner Zulassung, weil Maispollen zufällig und ohne menschliches Zutun in den Honig gelangt seien. Der EuGH ist dagegen der Auffassung, dass es nicht darauf ankomme, „ob der Pollen dem Honig absichtlich hinzugefügt oder zufällig eingetragen wurde“.

Hintergrund war die Klage von Heinz Bablok, der Unterstützung von Imkerverbänden und ökologischen Anbauverbänden erhielt, gegen Bayern. Der Imker aus Kaisheim bei Augsburg produzierte Honig und Nahrungsergänzungsmittel aus Pollen. Die Bienenstöcke standen 500 Meter von einem Grundstück entfernt, auf dem der Freistaat zu Forschungszwecken gentechnisch veränderten Mais des Typs MON 810 anbauen ließ. Der US-Konzern Monsanto hatte 1998 die Genehmigung für den Anbau erhalten. Dieser Mais enthält das Gen eines Bakteriums, das Larven eines Parasiten abtötet. 2005 entdeckte Bablok in seinem Honig Pollen des Genmaises und ließ den Honig in einer Müllverbrennungsanlage vernichten. Den Freistaat verklagte er auf Schadensersatz durch alle Instanzen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof verwies den Fall schließlich nach Luxemburg.

Der BUND forderte, die europäische und die deutsche Gesetzgebung müssten nun angepasst werden. Erforderlich sei, einen Mindestabstand zwischen Gentechnikfeldern und Bienenstöcken festzulegen. Greenpeace forderte von der Bundesregierung, sie müsse „jeglichen weiteren Anbau von riskanten genmanipulierten Pflanzen unterbinden“.

dpa