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Deutschland / Welt General Motors will in Europa umbauen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt General Motors will in Europa umbauen
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21:28 04.11.2009
Von Stefan Winter
General Motors mag sich von der deutschen Marke doch nicht trennen. Quelle: afp
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Während die Opel-Mitarbeiter sich auf ein Ende der GM-Ära einstellten, beschloss der Verwaltungsrat des General-Motors-Konzerns am späten Dienstagabend, dass es nun erst richtig losgehen soll: Man werde Opel behalten und eine Restrukturierung des gesamten europäischen GM-Geschäfts starten – „im Ernst“, heißt es in der Mitteilung. Dies sei der „stabilste und kostengünstigste Weg“, Opels Zukunft langfristig zu sichern.

Der Konzern schätzt die Restrukturierungskosten auf 3 Milliarden Dollar, deutlich weniger, als zum Beispiel Magna angesetzt hatte. Der Zulieferer rechnete mit umgerechnet mehr als 6 Milliarden Dollar, deren Finanzierung durch staatliche Garantien abgesichert werden sollte. Von Staatshilfen ist bei GM vorerst nicht die Rede, wohl aber davon, den europäischen Regierungen schon bald ein eigenes Konzept vorzulegen. Man hoffe auf „positive Betrachtung“. Außerdem will das Unternehmen mit den Gewerkschaften über „bedeutsame“ Sanierungsbeiträge der Belegschaft verhandeln.

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Kurz vor der Entscheidung in Detroit hatte sich die IG  Metall bereits mit ihrem Wunschpartner Magna geeinigt. Danach sollten die Mitarbeiter in zwei Jahren auf jeweils 265 Millionen Euro verzichten. Die Gegenleistung wäre eine 10-prozentige Beteiligung am Unternehmen gewesen. Doch das ist nun Makulatur, weitere Zugeständnisse für den US-Konzern hat die Belegschaft bisher abgelehnt.

Einer der ersten Schritte von General Motors dürfte nun sein, den von der Bundesregierung organisierten Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zu begleichen. Dann könnte die Treuhandgesellschaft aufgelöst werden, die im Moment die Mehrheit der Opel-Anteile als Sicherheit kontrolliert und den Verkauf überwachen sollte. Konzernchef Frederick „Fritz“ Henderson hat die Rückzahlung bereits angekündigt.

Noch vor wenigen Monaten wäre daran nicht zu denken gewesen. Doch der Konzern, der zurzeit mehrheitlich dem amerikanischen Staat gehört, hat im Insolvenzverfahren viele Lasten abgeworfen. Nach GM-Angaben wurden die Schulden um mehr als 40 Milliarden Dollar verringert. Allein in den USA soll die Zahl der Fabriken bis Ende nächsten Jahres von 47 auf 34 reduziert werden. Durch Umorganisation fällt noch in diesem Jahr jede dritte Managementstelle weg, insgesamt soll die Mitarbeiterzahl in Amerika um ein Fünftel schrumpfen. Bis spätestens 2015 sollen die milliardenschweren Hilfen der US-Regierung zurückgezahlt werden. Dank der amerikanischen Abwrackprämie kommt sogar der Autoverkauf besser in Fahrt.

Die finanzielle Stabilität habe sich „erheblich verbessert“, befand der Verwaltungsrat und beschloss, monatelange Verhandlungen mit Interessenten wie Fiat, dem Finanzinvestor RHJI und zuletzt Magna über Bord zu werfen. Auch am politischen Umfeld hat sich einiges geändert. Nach langer Zurückhaltung hat EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes vor einigen Wochen Klartext geredet: Sonderabsprachen der Bundesregierung mit einzelnen Opel-Interessenten seien rechtswidrig. Die Zahlung von Hilfen dürfe auch nicht an Standortzusagen geknüpft werden, alle Investoren seien gleich zu behandeln. Mit der ausdrücklichen Bevorzugung Magnas drohten Deutschland massive Schwierigkeiten und jahrelange Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang.

Nun hätte die Bundesregierung einige Schwierigkeiten, den Amerikanern Hilfen zu verwehren, die sie Magna öffentlich angeboten hat. Bei General Motors dürfte man darauf spekulieren, denn trotz aller Verbesserung ist der Konzern im operativen Geschäft noch lange nicht stark genug, um den Opel-Umbau aus eigener Kraft zu stemmen. Parallel zu den Verkaufsgesprächen mit den Deutschen soll GM bereits vor Wochen in anderen europäischen Ländern mit Konzernstandorten wegen Hilfsmöglichkeiten angeklopft haben.

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