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Deutschland / Welt Germanwings im Anflug
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20:00 05.01.2010
Von Stefan Winter
Germanwings soll mehr Betrieb nach Langenhagen bringen. Quelle: Christian Elsner
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Der Flughafen Hannover Langenhagen steht vor einem wichtigen Ansiedlungserfolg. Der Billigflieger Germanwings wolle im Frühjahr zwei bis drei Flugzeuge in Langenhagen stationieren, heißt es in Branchenkreisen. Geplant seien bis zu 70 zusätzliche Flüge pro Woche, was jährlich mehr als einer halben Million Passagiere entspräche.

Die Flughafengesellschaft selbst nennt noch keine Namen. Dort will man erst in der nächsten Woche eine neue Partnerschaft mit einer „namhaften“ Airline bekanntgeben. Es gebe Gespräche mit mehreren Gesellschaften, sagte ein Sprecher lediglich, darunter auch Germanwings. Die Airline mit Sitz am Flughafen Köln-Bonn lehnte einen Kommentar ab.

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Germanwings gehört der Lufthansa und ist in Langenhagen bisher nicht vertreten. Allerdings kennt man den Platz gut, denn Germanwings hat intensiv – aber letztlich vergeblich – mit TUIfly über ein Zusammengehen verhandelt. Dabei wurden auch die TUI-Verbindungen von und nach Hannover unter die Lupe genommen.

Der Flughafen kann den neuen Kunden gut brauchen, nachdem die Passagierzahl im vergangenen Jahr knapp unter die Marke von 5 Millionen gefallen sein dürfte. Vor zwei Jahren zählte Langenhagen noch 5,6 Millionen Fluggäste. Hier schlägt sich nicht nur die Wirtschaftskrise nieder, sondern auch die neue Zusammenarbeit zwischen TUIfly und Air Berlin, die Hannover Flugverbindungen gekostet hat.

Der Flughafen hat also freie Kapazitäten, weshalb die Neuansiedlung vorerst auch nur wenig zusätzliche Arbeitsplätze bringen dürfte. Es sei aber schon viel gewonnen, wenn die aktuellen Jobs gesichert würden, sagte ein Insider: „Im Moment wird um jeden Arbeitsplatz gekämpft.“ Habe Germanwings hier Erfolg, könne man mittelfristig auch auf zusätzliche Stellen am Flughafen und im Umfeld hoffen.

Der Versuch der Lufthansa-Tochter wird in der Branche gespannt beobachtet, denn Hannover gilt als schwieriges Pflaster für Billigflieger. Auch deshalb hat TUIfly diesen Bereich komplett an Air Berlin abgegeben und konzentriert sich stattdessen auf das Chartergeschäft. Sensibilisiert ist man auch an den Nachbar-Flughäfen: In Hamburg hat Germanwings mehrere Flugzeuge stationiert, in Bremen ist man zum großen Teil vom Konkurrenten Ryanair abhängig.

Germanwings werde sich in Hannover schwertun, heißt es in der Branche. Allerdings sei der Flugplan, über den im Moment in den Internet-Foren der Branche spekuliert wird, strategisch sinnvoll. Demnach geht es um rund ein Dutzend Ziele, darunter Ferienregionen wie Palma, Dubrovnik, Bastia und Heraklion. Außerdem stehen Metropolen wie Rom, Barcelona, Wien und Mailand auf der Liste. Einige Strecken seien ein Angriff auf Air Berlin, sagt ein Branchenkenner, andere füllten Lücken, einige seien als Lufthansa-Zubringer gedacht: „Alles in allem ist das eine clevere Mixtur.“