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Deutschland / Welt Gesetzliche Rente ist besser als ihr Ruf
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20:55 15.01.2014
Von Albrecht Scheuermann
Die gesetzliche Rente ist laut Stiftung Warentest besser als ihr Ruf, sie schneidet im Vergleich zu den privaten Angeboten gut ab. Quelle: dpa
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Gesetzliche Rentenversicherung? Viele Bürger halten diese Form der Altersvorsorge für ein Verlustgeschäft. Motto: Viel einzahlen, wenig herausbekommen. Die Stiftung Warentest hat kürzlich dieses Vorurteil unter die Lupe genommen und berechnet, wie die gesetzliche Rente finanziell tatsächlich abschneidet. Die Tester verglichen die Leistungen von gesetzlicher Rente, der steuerlich geförderten privaten Basisrente – auch Rürup-Rente genannt – und der normalen privaten Leibrentenversicherung.

Überraschendes Ergebnis: Die gesetzliche Rente ist besser als ihr Ruf, sie schneidet im Vergleich zu den privaten Angeboten gut ab. Daher könne es sich für Selbstständige – sofern sie nicht ohnehin Pflichtmitglied sind – durchaus lohnen, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Allerdings gilt es, die komplizierten Steuer- und Sozialversicherungsregeln zu berücksichtigen. Sie haben erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis.

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Die Stiftung Warentest untersuchte, welche Rente ein Selbstständiger mit einem Jahresgewinn von 38 095 Euro erwarten kann, der 30 Jahre monatlich 600 Euro für das Alter zurücklegt – und zwar sowohl brutto als auch netto, also nach Abzug von Steuern und Beiträgen zur Kranken- und Pflegekasse. Die Einzahlungen beginnen 2013, die Rente fließt also ab 2043.

Gesetzliche Rente: Bei einer Rentenanpassung von einem Prozent pro Jahr bekäme der Rentner nach heutigem Stand eine Bruttorente von 1273 Euro. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Erhöhung von 2 Prozent wären es 1710 Euro.
Rürup-Rente: Die garantierte Rente betrüge bei einem guten Anbieter monatlich 978 Euro, einschließlich der nicht garantierten Überschussbeteiligung könnten 1650 Euro herauskommen.
Privatrente: Die Leistungen entsprechen denen der Rürup-Rente.

Interessant wird die Nettobetrachtung, weil ganz unterschiedliche Abgabenregeln für die verschiedenen Formen der Altersvorsorge gelten – und zwar sowohl in der Einzahlungs- als auch in der Auszahlungsphase. Die Beiträge mindern nur bei der gesetzlichen Rente und der privaten Basisrente die Steuerlast. Dieser Steuervorteil addiert sich im Lauf der 30 Jahre nach Berechnungen der Warentester auf gut 63 000 Euro.

Bei der Privatrente gibt es keinerlei Steuervorteile während der Einzahlung. Dafür wird später die Rente nur gering, unter Umständen gar nicht besteuert. Dadurch ist die Nettorente im Vergleich zu den Einzahlungen – vorausgesetzt, dass man bei einem leistungsstarken Anbieter abschließt – deutlich höher als bei den Konkurrenzangeboten. Im Beispiel reicht sie bis zu 1650 Euro, verglichen mit maximal 1333 Euro bei der gesetzlichen und 1420 Euro bei der Rürup-Rente. Allerdings macht dies bei Weitem nicht den Steuernachteil in der Einzahlungsphase wett. Die Stiftung Warentest kommt daher nach Berücksichtigung aller Faktoren zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der klare Verlierer ist dann die private Rente.“

Besonders knifflig ist das Thema Krankenversicherung. Privat Rentenversicherte müssen als freiwillige Kassenmitglieder bis zu 17,2 Prozent von ihrer Rente an die Kranken- und Pflegekasse überweisen. Gesetzlich Krankenversicherten wird dagegen nur ein Beitrag von bis zu 10,5 Prozent abgezogen.

Doch auch Selbstständige, die während ihres Berufslebens freiwillig in einer gesetzlichen Kasse waren, können im Alter zu Pflichtmitgliedern werden. Voraussetzung: Sie haben in die staatliche Rentenkasse eingezahlt und beziehen daher eine gesetzliche Rente. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass sie nur den niedrigen Krankenkassenbeitrag auf die gesetzliche Rente zahlen. Außerdem profitieren sie in diesem Fall von der Abgabenfreiheit der zusätzlichen privaten Altersvorsorge. Bezieher gesetzlicher Renten zahlen keinen Beitrag für daneben zufließende Rürup- oder Privatrenten.

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