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Deutschland / Welt Auswirkungen von Streik auf Hannover unklar
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14:43 17.03.2015
Am Mittwoch werden in Deutschland zahlreiche Flugzeuge der Lufthansa am Boden bleiben.
Am Mittwoch werden in Deutschland zahlreiche Flugzeuge der Lufthansa am Boden bleiben. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Frankfurt/Main

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder für Mittwoch zu einem eintägigen Streik bei der Lufthansa aufgerufen. Deutschlandweit würden Kurz- und Mittelstreckenflüge von 00.01 Uhr bis 23.59 Uhr bestreikt, kündigte die Gewerkschaft am Montag an. Flüge der Lufthansa-Tochterunternehmen Germanwings und Eurowings seien nicht betroffen.

Vier Flüge fallen in Hannover aus

Das Langstreckenprogramm laufe wie geplant, teilte die Lufthansa am Montagabend mit. Demnach wird die Lufthansa Gruppe trotz des Streiks insgesamt rund zwei Drittel ihres Flugprogrammes absolvieren. Den meisten Passagieren, die vom Arbeitskampf betroffenen seien, könnten Alternativen durch Umbuchungen auf andere Flüge angeboten werden. Ein Sonderflugplan soll am Dienstag im Internet unter LH.com veröffentlicht werden.

Für Mittwoch waren am Flughafen Hannover-Langenhagen jeweils 14 Starts und 14 Landungen geplant, jeweils sechs Flüge von und nach Frankfurt sowie acht von und nach München. Vier Flüge davon fallen aus. Am Bremer Flughafen werden zehn Flüge ausfallen.

Fehlende Fortschritte

Die Lufthansa warf der Pilotengewerkschaft vor, dass die Streikankündigung einmal mehr jeglicher Verhältnismäßigkeit entbehre. Für Dienstag seien Gespräche zum Vergütungstarifvertrag vereinbart. Außerdem ist die Lufthansa nach eigenen Angaben der Vereinigung Cockpit in den Tarifverhandlungen zur Übergangsversorgung von Piloten deutlich entgegengekommen. Lufthansa rief die Piloten zur unverzüglichen Fortsetzung der Gespräche auf.

Die Vereinigung Cockpit begründete dagegen den Arbeitskampf unter anderem damit, dass bei Verhandlungen der Tarifparteien Mitte vergangener Woche keine Fortschritte beim Thema Übergangsversorgung erzielt worden seien. Das Lufthansa-Management beharre auf seiner Position einer deutlichen Verschlechterung für junge Piloten bis hin zur Abschaffung der Übergangsversorgung. Das sei für die Vereinigung Cockpit nicht akzeptabel.

Arbeitskampf ausweiten

Die Pilotengewerkschaft drohte damit, ihre Arbeitskampfmaßnahmen auszuweiten, um den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen. „Dass damit erneut auch die Reisenden beeinträchtigt sein werden, bedauert die VC sehr“, heißt es. „Lufthansa schickt Parolen in die Öffentlichkeit, die keinen ernsthaften Einigungswillen erkennen lassen. Mit "Basta-Ansagen" über die Öffentlichkeit löst man keine Tarifkonflikte“, erklärte Ilona Ritter, Vorsitzende Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit.

Die Piloten hatten in den vergangenen Monaten wiederholt bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings gestreikt. Vordergründiger Streikanlass ist die umstrittene Übergangsversorgung der Piloten bis zur gesetzlichen Rente. Es ist aber auch eine Vielzahl weiterer Tarifthemen ungelöst - und es gibt einen heftigen Streit über den künftigen Kurs bei Europas größtem Luftfahrtkonzern.

Aktuelle Informationen zum Ihrem Flug vom Flughafen Hannover/Langenhagen finden Sie hier.

Chronlogie: Pilotenstreik Nr. 12 bei der Lufthansa

Die Vereinigung Cockpit hat seit April 2014 bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu 13 Streiks aufgerufen, einen sagte sie kurzfristig wieder ab. Der Schaden liegt nach Konzernangaben inzwischen bei deutlich über 200 Millionen Euro. Über 7700 Flüge fielen aus, knapp 880 000 Passagiere waren betroffen. Mit dem nun angekündigten Ausstand steigen die Zahlen weiter an.

2.-4. April: Mit einem dreitägigen Streik legen Piloten die Lufthansa praktisch lahm. Der schärfste Ausstand der Konzerngeschichte führt zu rund 3800 Flugausfällen, betroffen sind 425.000 Fluggäste.

29. August: Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Es fallen 116 Flüge aus, betroffen sind 15 000 Passagiere.

5. September: Piloten bestreiken Kurz- und Mittelstreckenflüge der

10. September: Die Pilotengewerkschaft streikt am Drehkreuz München.

30. September: Cockpit bestreikt Langstreckenflüge am Drehkreuz Frankfurt. 50 Flüge werden gestrichen, 20 000 Passagiere sind sauer.

8. Oktober: Nun trifft es die Frachttochter Lufthansa Cargo. Der zweitägige Ausstand hat laut Unternehmen aber kaum Auswirkungen.

16. Oktober: Germanwings wird deutschlandweit bestreikt. Bilanz: 100 Flüge finden nicht statt, es trifft 13 000 Fluggäste.

20. Oktober: Ein Streik auf den Kurz- und Mittelstrecken wird einen Tag später auch auf die Langstrecken ausgeweitet. Lufthansa streicht an beiden Tagen über 1500 Flüge, 166 000 Fluggäste sind betroffen.

1.-2. Dezember: Deutschlandweiter Streik trifft 1350 Flüge und rund 150 000 Passagiere.

4. Dezember: Streik auf Langstrecken- und Frachtmaschinen der Lufthansa, 60 Flüge gestrichen, 12 000 Passagiere betroffen.

12.-13. Februar: Zweitägiger Streik bei Germanwings. Es werden 338 Flüge gestrichen. Es trifft gut 30 000 Passagiere.

18. März - Erneuter Streikaufruf. Die Vereinigung Cockpit nimmt Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa ins Visier.

dpa/sbü

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