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Deutschland / Welt Google und das digitale Testament
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21:09 12.04.2013
Von Frerk Schenker
Wird ein Konto längere Zeit nicht genutzt, will Google dem Kontoinhaber eine SMS schicken, bevor die Firma etwas unternimmt. Quelle: dpa
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Hannover

Um diesem Fall vorzubeugen, hat Google als einer der ersten großen Internet-Konzerne eine Art digitales Testament geschaffen. Wie das Unternehmen am Freitag in seinem Firmenblog mitteilte, können Nutzer künftig zu Lebzeiten regeln, was mit ihren Daten passiert, wenn die Aktivität auf einem Google-Konto aufhört.

In den Einstellungen des persönlichen Google-Kontos können die Nutzer künftig festlegen, die Daten nach einem festgelegten Zeitraum von drei, sechs, neun oder zwölf Monaten automatisch löschen zu lassen. Alternativ schickt das System die Einwahldaten an bestimmte Personen, die zuvor in den Einstellungen festgelegt worden sind. Wird ein Konto längere Zeit nicht genutzt, will Google dem Kontoinhaber eine SMS schicken, bevor die Firma etwas unternimmt. Dafür muss aber zuvor zwingend die Handynummer bei Google hinterlegt worden sein.

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Zur Palette von Google-Diensten, für die der sogenannte Kontoinaktivitäts-Manager eingesetzt werden kann, gehören unter anderem der E-Mail-Dienst Gmail, der Online-Speicherdienst Google Drive, das Online-Fotoalbum Picasa sowie das soziale Netzwerk Google+. Das System wurde laut Blogeintrag bei Google in München für den weltweiten Einsatz entwickelt.

Den Umgang mit den Konten eines Verstorbenen behandeln die großen Internet-Anbieter ganz unterschiedlich. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook bietet zum Beispiel die Möglichkeit an, eine Seite als virtuelles Denkmal weiterzubetreiben oder ganz löschen lassen. Dafür müssen die Hinterbliebenen einen Sterbenachweis erbringen und sich als rechtmäßige Erben ausweisen. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter hat Regelungen eingeführt, wie Hinterbliebene ein Konto deaktivieren können. Oft ist es für Angehörige jedoch schwierig, an die Internet-Profile oder Informationen von Verstorbenen zu kommen, und wertvolle Daten wie Fotos oder Videos gehen verloren.

„Wir raten deshalb allen Nutzern, zu Lebzeiten ein Testament zu verfassen und dort auch den Zugang zu Online-Diensten zu regeln“, sagt Martin Wilhelm vom Internet-Anbieter 1&1, zu dem unter anderem die Mail-Dienste Web.de und Gmx.de gehören. Habe der Verstorbene den digitalen Nachlass nicht geregelt, könnten die Erben bei 1&1 dennoch ihren Anspruch geltend machen. Der Mail-Account werde automatisch Teil der Erbmasse, da es einen rechtmäßigen Vertrag zwischen dem Kontoinhaber und dem Unternehmen gebe, betont Wilhelm. Den Zugang für die Mail-Konten und Online-Speicher müssen die Hinterbliebenen schriftlich beantragen und dem Schreiben eine Kopie von Ausweis und Erbschein beilegen. Bei Web.de gebe es durchschnittlich drei Anfragen von Hinterbliebenen pro Tag, so Wilhelm. Die Prüfung der Daten dauere in der Regel nur wenige Tage.

(mit: dpa)