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Deutschland / Welt Griechenland-Krise zieht Börsen weltweit ins Minus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Griechenland-Krise zieht Börsen weltweit ins Minus
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14:31 28.04.2010
Die Schuldenkrise in Europa löst auch an den internationalen Finanzmärkten Schockwellen aus. In Tokio rutschte die Börse tief ins Minus. Quelle: ap
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Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch im Sog anhaltender Sorgen über die Verschuldungskrise in der Eurozone weitere Verluste erlitten. Der Leitindex Dax fiel am Mittag um 2,13 Prozent auf 6028 Punkte, nachdem er bereits tags zuvor 2,7 Prozent eingebüßt hatte. Der MDax gab um 3,37 Prozent auf 8062 Punkte nach. Der TecDax brach um 4,51 Prozent auf 784 Punkte ein.

Derweil wurde bekannt, dass Griechenland in diesem Jahr viel mehr Geld als die bisher bekannten 45 Milliarden Euro braucht. Voraussichtlich werden die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) ihre Hilfe auch deutlich aufstocken. Das wurde am Mittwoch aus Koalitions- und Regierungskreisen bekannt. Schon in diesem Jahr sei ein zusätzlicher zweistelliger Milliarden-Betrag nötig, hieß es.

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Die Schuldenkrise in Europa löst auch an den internationalen Finanzmärkten Schockwellen aus. Zunehmend gerät dabei auch Japan wieder in den Fokus. Denn mit schon bald 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat die fernöstliche Wirtschaftsmacht den mit Abstand höchsten Schuldenberg unter den großen Industrienationen angehäuft. Der Internationale Währungsfonds IWF rechnet sogar mit einem Anschwellen der Schulden bis 2014 auf 246 Prozent. Schon wird der Teufel eines japanischen Staatsbankrotts an die Wand gemalt.

Japan wird das nächste Griechenland sein“, prophezeit der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, im Gespräch mit der „Welt“. Ein Blick auf die schieren Zahlen mag diese Horrorvision tatsächlich nahelegen. Schließlich hat die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt in den vergangenen Jahrzehnten eine Staatsschuld von umgerechnet fast fünf Billionen Euro angehäuft. Und doch ist Japan nicht Griechenland.

Anders als Griechenland ist Japan nicht im Ausland, sondern fast ausschließlich bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Ausländische Investoren halten anteilsmäßig nur etwa sechs Prozent der japanischen Staatsanleihen. Umgekehrt ist Japan dank seines starken Exportmotors und seiner Leistungsbilanzüberschüsse eine der weltweit größten Gläubigernationen. Bei den Währungsreserven wird Japan nur von China übertroffen. Die Verschuldung ist also mehr ein inländisches Problem.

Um weitere Schläge für das griechische Finanzsystem zu verhindern, hat die Börse in Athen ein Verbot für sogenannte Leerverkäufe erlassen. Diese Art von Finanzgeschäften wird für zwei Monate ausgesetzt und gilt für alle Aktien, die in Athen gehandelt werden, wie ein Börsensprecher am Mittwoch nach einer entsprechenden Entscheidung der griechischen Finanzmarktbehörde mitteilte. Die Regelung trat demnach am Mittwoch in Kraft und gilt bis zum 28. Juni.

Bei Leerverkäufen erzielt ein Spekulant dann einen Gewinn, wenn der Wert eine gehandelten Papiers innerhalb einer vereinbarten Zeitspanne sinkt. Dieses Wetten auf einen Wertverlust ist zum Beispiel auch bei Währungsgeschäften möglich. Leerverkäufe waren nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise stark in die Kritik geraten, da diese Wetten Turbulenzen an den Märkten befeuern können. Auch in Deutschland waren Leerverkäufe der Aktien bestimmter Unternehmen während der Finanzkrise zeitweise ausgesetzt worden.

dpa/afp