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Deutschland / Welt Grübels Rücktritt wirft UBS-Plan um
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Grübels Rücktritt wirft UBS-Plan um
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19:54 25.09.2011
Oswald Grübel beendet seine 50-jährige Karriere einige Monate vor der Zeit. Quelle: dpa
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Zürich

Weber kann nur aus der Ferne mitgestalten: Er sei in die Nachfolgersuche als außenstehender Berater einbezogen, sagte der aktuelle Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger am Wochenende. Weber lehrt zurzeit an der Universität von Chicago und verbrachte die Tage der UBS-Krise auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank.

Grübel trat am Wochenende zurück. Vor der Verwaltungsratssitzung in Singapur hatte er noch erklärt, er besitze das Vertrauen des Gremiums. Nach Villigers Darstellung versuchte man sogar, ihn von dem Schritt abzubringen. Beobachter rechnen damit, dass noch weitere Spitzenmanager gehen werden. Ein einzelner Händler hatte der Bank mit nicht genehmigten Transaktionen 2,3 Milliarden Dollar Verlust eingebracht.

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Er habe den Entschluss nicht leichten Herzens gefasst, schrieb der 67 Jahre alte Grübel in einem internen Memo an die Mitarbeiter. „Aber ich trage die volle Verantwortung für alles, was bei UBS passiert.“ Grübel, der mit seinem Rücktritt eine fünfzigjährige Bankenkarriere beendet, erhält noch sechs Monate lang sein Gehalt, aber keine weitere Abfindung.

Nach Grübels Rücktritt wurde Sergio Ermotti zum Interims-Chef ernannt, das ist aber offenbar keine Vorentscheidung. Er ist nach Villigers Worten ein starker Kandidat, zumal er Schweizer sei. Die Verwaltungsräte wollen aber eine Auswahl haben.

Ermotti wird Zeit brauchen, um die von dem Milliardenverlust erschütterte Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser zu lenken und die Risikokontrolle so zu organisieren, dass auch die Aktionäre überzeugt sind. Der 51-Jährige, bislang verantwortlich für das Geschäft in Europa und im Nahen Osten, soll nun eine Investmentbank aufstellen, die weniger komplex ist, weniger Kapital braucht und weniger Risiken mit sich bringt.

Radikallösungen, über die in den vergangenen Tagen spekuliert wurde, fasst der für die Strategie zuständige Verwaltungsrat nicht ins Auge. „Die Investmentbank bleibt integraler Bestandteil der UBS“, sagte Villiger in einem Interview der „NZZ am Sonntag“. Die Teile der Sparte, die eng mit der Vermögensverwaltung zusammenarbeiten, würden schneller wachsen als die übrigen.

Ermotti wird also viel Kleinarbeit zu leisten haben. Das Risiko, das der Vorfall in London zutage gebracht habe, sei vollkommen inakzeptabel, sagte er am Sonnabend in einer Telefonkonferenz. Er sprach auch wiederholt von operationellen Risiken, die es zu beschränken und zu kontrollieren gelte. Das Investmentbanking sei ein Bereich der schrumpfe und nicht wachse, sagte Ermotti weiter. Ein weiterer Personalabbau sei nicht ausgeschlossen, er werde aber nicht dramatisch ausfallen.

Albert Schmieder und Stefan Winter