Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt H&M will Filialen schließen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt H&M will Filialen schließen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 15.12.2017
Das Logo der Bekleidungskette Hennes und Mauritz (H&M).  Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Anzeige
Stockholm

Der Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) will mit Filialschließungen auf einen überraschenden Umsatzrückgang reagieren. Das erklärte das Unternehmen am Freitag. Unklar ist, wie viele Filialen an welchen Standorten schließen sollen. Die Region Hannover sei zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht betroffen, erklärte H&M auf Anfrage. Generell sei man sich der Verantwortung für die Mitarbeiter bewusst. Bisher habe man bei Filialschließungen stets betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können. „Es bleibt auch für die Zukunft unser Ziel, dies zu vermeiden“, sagte eine Sprecherin. 

Der Gewerkschaft Verdi zufolge hat H&M im laufenden Jahr sieben Filialen in Deutschland geschlossen. 2018 sollen demnach bis zu fünfzehn weitere dicht gemacht werden. Verdi habe keine Hinweise, dass Standorte in Niedersachsen betroffen sein könnten, sagte eine Sprecherin. In Hannover gibt es drei H&M-Filialen: zwei auf der Georgstraße sowie eine in der Ernst-August-Galerie. In Langenhagen und Laatzen gibt es jeweils eine Filiale. 

Anzeige

Der Umsatz der H&M-Gruppe sank im vierten Quartal um vier Prozent auf 50,4 Milliarden Schwedische Kronen (rund 5,1 Mrd. Euro). Ursache dafür ist dem Konzern zufolge das „schwache“ Geschäft in den Filialen der Marke H&M. Wegen der „anhaltend schwierigen Marktsituation“ seien weniger Kunden in die Läden gekommen. 

Die Online-Verkäufe von H&M sowie die Geschäfte der anderen Marken hätten sich hingegen gut entwickelt, betonte der Konzern. Zu ihm gehören unter anderem auch die Marken COS, Arket sowie „& Other Stories“. Informationen über den Gewinn oder Verlust will der Konzern im Januar bekanntgeben. Im dritten Quartal musste er bereits einen deutlichen Gewinnrückgang verbuchen.

H&M will Filialen schließen und stattdessen stärker in den Online-Handel investieren. Was halten Sie davon?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
H&M will Filialen schließen und stattdessen stärker in den Online-Handel investieren. Was halten Sie davon?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Um gegenzusteuern, will H&M verstärkt in das Online-Geschäft investieren. Filialen und Online-Shops sollen noch stärker miteinander verzahnt werden. Außerdem soll eine Kooperation mit der chinesischen Onlinehandelsplattform Alibaba erweitert werden. 

Nach Einschätzung des Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein leidet H&M allerdings weniger unter Online-Konkurrenten wie Zalando, als vielmehr an der Konkurrenz durch andere Ketten wie Primark und Zara. „H&M wollte nicht realisieren, dass Primark die selbe Zielgruppe günstiger bedient“, sagte Heinemann. Auf der anderen Seite setze der Textilhändler Inditex (u.a. Zara, Massimo Dutti) die Schweden mit schnellen Sortimentswechseln unter Druck. Der Experte erwartet, dass es für H&M weiter abwärts gehen wird: „Die Erträge können nicht gehalten werden“, prophezeit er.

Das Geschäft mit der Mode

„Der Textilmarkt ist ein Haifischbecken“, sagt der Handelsexperte Martin Schulte von der Beratungsfirma Oliver Wyman. Erstens schrumpfe der Markt: „Im ersten Halbjahr 2017 betrug das Minus 1,5 Prozent.“ Zweitens würden immer mehr internationale Ketten in Deutschland Fuß fassen und die etablierten Anbieter unter Druck setzen.

H&M zählte in den Neunziger Jahren noch selbst zu den Angreifern. Die Schweden haben seitdem viele kleine Modehändler verdrängt und das Konzept des „vertikalisierten“ Textilherstellers mit eigenen Läden groß gemacht. Bis 2016 schnellte die Zahl der Filialen in Deutschland auf 460. Zuletzt verlangsamte sich das Wachstum jedoch. Ableger wie COS (seit 2007), „& Other Stories“ (seit 2013) sollen anspruchsvollere Zielgruppen bedienen. Der weltweite Umsatz lag 2017 bei rund 23 Milliarden Euro.

Inditex macht weltweit mittlerweile ebenfalls über 20 Milliarden Euro Umsatz. Zu dem spanischen Konzern gehören unter anderem Zara, Massimo Dutti und Pull & Bear. Er lässt einen großen Teil seiner Ware in Europa und Nordafrika fertigen und kann deshalb schneller auf Trends reagieren als Konkurrenten wie H&M, die vorrangig in Ostasien schneidern lassen.

Primark ist mit einem weltweiten Umsatz von rund 8 Milliarden Euro noch relativ klein, gilt aber als größte Herausforderung für die Konkurrenz. Denn die Kette mit Stammsitz in Dublin unterbietet die ohnehin niedrigen Preise von H&M oder Zara noch einmal deutlich: Zum Beispiel gibt es T-Shirts für 3 Euro. Möglich ist das unter anderem, weil Primark auf Werbung verzichtet und seine Filialen spartanisch einrichtet. Vor allem bei Jugendlichen kommt das Konzept gut an. Bei der Eröffnung der Filiale in Hannover 2011 wühlten sich etwa 5000 Mädchen und Jungen durch das Sortiment.

Von Christian Wölbert und Natali Schwab