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Deutschland / Welt Hängepartie um Opel geht weiter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hängepartie um Opel geht weiter
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17:43 25.08.2009
Das Opel-Treffen in Berlin hat noch keine Lösung gebracht. Quelle: ddp
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Das Treffen habe deutlich gemacht, dass es im Verwaltungsrat von GM noch erheblichen Informationsbedarf gebe, hieß es aus Regierungskreisen. Bei den rund 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten wächst der Unmut über die anhaltende Ungewissheit.

Offiziell wurden keine Angaben zu dem rund zweistündigen Treffen im Bundeswirtschaftsministerium gemacht. Dort traf sich GM-Vize John Smith überraschend mit Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann und Vertretern der sogenannten Opel-Task-Force. Homann ist Leiter des Gremiums, in der der Bund und die Länder mit Opel Standorten - also Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen - vertreten sind. Eigentlich war das Treffen erst für die kommenden Tage erwartet worden.

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Der weitere Informationsbedarf des GM-Verwaltungsrates ist darauf zurückzuführen, dass dieses Gremium in der jüngsten Vergangenheit teilweise neu zusammengesetzt wurde, wie ddp weiter aus Regierungskreisen erfuhr. GM habe allerdings deutlich gemacht, dass man weiter an einer Investorenlösung interessiert sei.

Damit reagierte der US-Konzern offenbar auf mehrere Zeitungsberichte, denen zufolge GM erwäge, Opel doch nicht zu verkaufen. Wie das „Wall Street Journal“ sowie die Onlineausgabe der „Financial Times Deutschland“ übereinstimmend schrieben, arbeitet GM an einem Finanzierungsplan im Umfang von 4,3 Milliarden Dollar (3,0 Milliarden Euro), um Opel selbst umstrukturieren zu können.

Deutschland hat Interesse an Magna bekundet, aber es gibt möglicherweise andere Finanzierungsquellen“, zitiert die „FTD“ informierte Kreise mit Blick auf den von Deutschland favorisierten Opel-Bieter, den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna. Der neue Plan sehe vor, dass GM für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall Hilfen aus den USA und den europäischen Staaten mit Opel-Standorten erhält.

Bei den Beschäftigten lösten die Berichte „Wut und Empörung“ aus, wie der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild im ZDF-„Morgenmagazin“ sagte. „Wenn über die Zukunft von Opel weiterhin in Detroit entschieden wird, werden sehr viele Arbeitsplätze in Deutschland und Europa unter die Räder kommen“, sagte er weiter. „Unter dieser Mutter hat die Tochter keine Zukunft“, betonte er.

Ähnlich äußerten sich Vertreter des Betriebsrates. „Wir können nicht akzeptieren, dass Monopoly mit unserer Zukunft gespielt wird. Unsere Geduld ist zu Ende“, heißt es in einer Erklärung des Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel und des Bezirksleiters der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard. Die Situation für die Beschäftigten werde immer unerträglicher.

„In den nächsten Tagen werden wir entscheiden, ob wir in Europa mit wohlüberlegten und ’kreativen’ Maßnahmen den Druck erhöhen müssen“, heißt es weiter in der Erklärung. Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die Opelaner die sofortige Auszahlung des tariflich vereinbarten Urlaubsgeldes fordern.

Einen Verbleib von Opel bei GM lehnt auch Einenkel ab. „Wenn diese Planspiele jetzt wieder zum Tragen kommen sollten, wäre dies „eine deftige und brutale Entscheidung“, sagte er im RBB-Inforadio. Sie hätte Massenentlassungen und Betriebsschließungen zur Folge. „Unter anderem das Werk in Antwerpen, das Bochumer Werk, das Werk Eisenach sollte verkauft oder geschlossen werden“, erinnerte er an frühere GM-Pläne. Europaweit stünden demnach 15.000 Arbeitsplätze auf der Streichliste.

ddp

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