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Deutschland / Welt Hamburg hält die Hand über Hapag
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hamburg hält die Hand über Hapag
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22:46 14.02.2012
Hapags Frachter sind wichtige Kunden des Hamburger Hafens. Quelle: dpa
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Hannover

Dies wird dem hannoverschen Reisekonzern nach eigenen Angaben rund 700 Millionen Euro in die Kasse bringen. Der endgültige Abschied aus der Containerschifffahrt lässt jedoch noch auf sich warten: Im ersten Schritt bleibt TUI mit 22 Prozent beteiligt, der weitere Ausstieg ist aber vorgezeichnet.

Mit der Vereinbarung geht ein monatelanger Poker um die Zukunft der Reederei zu Ende. Die TUI betreibt seit 2008 den Ausstieg, um das Geld in die Touristik zu investieren. Das Hamburger Konsortium wurde damals bereits gebildet, um einen Verkauf des Unternehmens ins Ausland zu verhindern. Beteiligt sind neben dem Stadtstaat der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sowie die örtlichen Versicherungen Signal Iduna und Hanse Merkur.

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Die TUI hatte sich beim Verkauf ihrer kompletten Beteiligung mehr als eine Milliarde Euro erhofft, doch die brachten die Partner offenbar nicht zusammen, und andere Käufer fanden sich in der unsicheren Konjunktur- und Finanzierungslage nicht. So wurde ein Stufenplan vereinbart: Bis Ende Juni kaufen die Hamburger 17,4 Prozent der Hapag-Aktien für 475 Millionen Euro. Danach kann die TUI – wie bisher schon – ihre verbliebenen Anteile über die Börse oder an Dritte verkaufen. Weiteres Geld kommt in die TUI-Kasse, weil Hapag-Lloyd von seinem Großaktionär sogenanntes Hybridkapital erwirbt.

Mit den insgesamt 700 Millionen Euro sollten die Schulden reduziert werden, teilte TUI mit. So werde „höhere Handlungsfreiheit im Kerngeschäft Touristik ermöglicht“. Wie sie konkret genutzt werden soll, könnte TUI-Chef Michael Frenzel auf der heutigen Hauptversammlung des Konzern in Hannover erklären. Für die frühere Idee, die Reisetochter TUI Travel plc komplett zu übernehmen, dürfte das Geld nicht reichen.

Mit der Vereinbarung wird Hamburg indirekt größter Hapag-Gesellschafter. Das Konsortium wird seinen Anteil auf knapp 80 Prozent aufstocken, die Hälfte davon entfällt auf die Stadt. Schon vor der offiziellen Vereinbarung war durchgesickert, dass allein das hoch verschuldete Hamburg für rund 400 Millionen Euro weitere Anteile übernehmen solle. Auch Kühne und die beiden Versicherungen wollen investieren. Die HSH Nordbank und weitere von der Warburg-Bank beratene Investoren aus dem Konsortium übernähmen dagegen keine weiteren Anteile, hieß es.

Angesichts der hohen Verschuldung der Hansestadt hatte sich die seit März allein regierende SPD um eine breite Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg bemüht. Gerungen wurde bis zuletzt um den Preis. „TUI wollte möglichst viel zu einem möglichst hohen Preis verkaufen“, sagte Finanzsenator Peter Tschentscher. Die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr will Hapag-Lloyd am Mittwoch bekannt geben.