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Deutschland / Welt Hamburg will Husum auskontern
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hamburg will Husum auskontern
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21:30 10.10.2011
Rotornabe einer Windkraftanlage von Enercon: Das Unternehmen will dem Standort Husum die Treue halten. Quelle: dpa
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Hannover

Die Pläne dafür wollen der Verband und die Messe Hamburg morgen vorstellen. Dagegen regt sich massiver Widerstand: Der Bundesverband Windenergie (BWE) und die Marktführer Vestas und Enercon wollen den Umzug boykottieren.

Der Standort Husum ist seit 1989 mit der stürmischen Entwicklung der Windenergie groß geworden. Dort findet bisher alle zwei Jahre die „Windenergy“ statt, 2012 läuft der Vertrag mit dem VDMA aus. Zudem trifft sich die Branche auf der Hannover Messe – die beiden Veranstalter kooperieren. Nach Meinung etlicher Aussteller stößt Husum an seine Grenzen. Auf knapp 50 000 Quadratmetern drängten sich zuletzt knapp 1000 Aussteller und 36 000 Besucher. Im vergangenen Jahr wurde für 15 Millionen Euro ein neues Congress-Centrum eröffnet. „Trotzdem muss Husum weiter intensiv daran arbeiten, seine logistischen Probleme in den Griff zu bekommen“, sagte ein Branchenkenner am Montag.

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Beim VDMA hat man den Glauben daran offenbar verloren. Schon im Frühjahr forderte der Verband bei Messegesellschaften großer Städte Konzepte für eine Windenergiemesse von internationalem Zuschnitt ein. Am Ende bekam Hamburg den Zuschlag – auch weil sich dort Hersteller wie Siemens, Repower und Nordex niedergelassen hätten, hieß es. Sie und General Electric hätten die Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Verbandsgeschäftsführer Thorsten Herdan wollte sich dazu nicht äußern.

Der geplante Standortwechsel werde jedoch kein Selbstläufer, erklärte BWE-Präsident Hermann Albers: „Der VDMA kann das nicht einfach so festlegen – das entscheiden die Hersteller.“ Die dänische Vestas und Enercon, die zusammen etwa vier Fünftel des deutschen Marktes beherrschen, haben das bereits getan: „Wir werden nicht nach Hamburg gehen“, sagte Vestas-Vertriebschef Andreas Eichler. Gleiches verlautet aus der Enercon-Zentrale in Aurich. Auch bei WPD, dem größten deutschen Windpark-Projektierer, ist man „mit der bestehenden Messelandschaft sehr zufrieden“.

Die Deutsche Messe AG in Hannover hält sich in dem Streit zurück. „Wir haben gültige Verträge sowohl mit dem VDMA wie auch mit Husum“, sagte Vorstandschef Wolfram von Fritsch. „Und wir sind mit beiden sehr zufrieden.“ Den Wettbewerb zwischen Hamburg und Husum sehe man gelassen. Unabhängig davon werde von Ausstellern der Wunsch an Hannover herangetragen, das Thema auch in den geraden Jahren in Hannover zu präsentieren. Wichtig sei, dass am Ende nicht der Messestandort Deutschland geschädigt werde.

Jens Heitmann