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Deutschland / Welt Handel hofft auf gutes Weihnachtsgeschäft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Handel hofft auf gutes Weihnachtsgeschäft
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13:52 11.11.2010
Die gute Verbraucherstimmung färbt auf den Handel ab.
Die gute Verbraucherstimmung färbt auf den Handel ab. Quelle: dpa
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Ausgehend von einem Umsatzplus von nominal 2,5 Prozent in den letzten beiden Monaten des Jahres könnte die Branche am Ende „vielleicht an den zwei Prozent kratzen“, sagte der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser,über das bevor stehende Weihnachtsgeschäft. Bislang hat der Verband ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent prognostiziert.

Das Jahr 2010 läuft ohnehin gut für die Branche. Der klassische Einzelhandel profitiere vom Aufschwung, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Von Januar bis September sei ein Umsatzplus von nominal 1,6 Prozent erwirtschaftet worden. Und diese Entwicklung habe sich im September fortgesetzt. Dies schlage sich auch bei der Beschäftigung nieder, die in diesem Jahr stabil geblieben sei. Im Einzelhandel sind in Deutschland nach Verbandsangaben rund drei Millionen Menschen tätig, davon knapp zwei Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 920.000 Mini-Jobber. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten 1,2 Millionen Vollzeit.

Höchster Zuwachs seit fünf Jahren

Im Weihnachtsgeschäft, also in den Monaten November und Dezember, machen die Händler im Schnitt rund ein Fünftel ihres Jahresumsatzes. In den typischen Geschenkebranchen wie Spielwaren, Uhren und Schmuck, sowie Bücher und Unterhaltungselektronik sind es laut HDE sogar zwischen einem Viertel und einem Drittel. Ein Umsatzplus von 2,5 Prozent zum Jahresende wäre der höchste Zuwachs seit fünf Jahren, sagte Sanktjohanser. Erwartet werde in diesem und im nächsten Monat ein Gesamtumsatz von 77 Milliarden Euro, fast zwei Milliarden Euro mehr als 2009. Das entspreche in etwa dem Niveau von 2006.

Von dieser Summe entfallen nach Angaben des HDE-Präsidenten knapp sechs Milliarden Euro auf den Online-Handel, der in den Weihnachtsmonaten etwa ein Viertel seines Jahresumsatzes erziele. 2009 waren es noch 5,5 Milliarden Euro.

Besonders rosig sehe es derzeit für die Nicht-Lebensmittelbranchen aus, sagte Sanktjohanser. Dieser Bereich habe im Jahresverlauf ein Umsatzwachstum von nominal 3,1 Prozent und real 1,9 Prozent verzeichnet. Die großen Gewinner seien die Segmente Uhren/Schmuck, Parfümerie, Glas/Porzellan/Keramik, Schuhe und Unterhaltungselektronik. Sollte sich diese Entwicklung auch im November und Dezember fortsetzen, „werden wir das stärkste Umsatzplus im Non-Food-Einzelhandel seit zehn Jahren haben“, sagte Sanktjohanser. Die genannten Segmente seien „Seismografen für die Verbraucherstimmung“. Die Umsätze zeigten, dass die Verbraucher nachholen, „was sie in den Krisenjahren an Anschaffungen zurückgestellt haben“.

Keine Prognose für 2011

Für 2011 will Sanktjohanser noch keine Prognose abgeben. Zwar könnte die Branche im kommenden Jahr am allgemeinen Aufschwung und der voraussichtlich weiteren Erholung am Arbeitsmarkt teilhaben. Aber höhere Sozialabgaben und Steuern dürften den Verbrauchern weniger für den Konsum übriglassen, sagte er. Zudem werde die Ökosteuer dem Handel Mehrkosten von einer halben Milliarde Euro verursachen, was am Ende die Verbraucher bezahlen müssten. Laut Sanktjohanser kommen auf einen selbstständigen Einzelhändler beispielsweise bei Edeka oder Rewe 12.000 bis 15.000 Euro mehr an Energiekosten zu. „Momentan gehen wir davon aus, dass der Einzelhandel sich 2011 nicht markant über dem Niveau von 2010 entwickeln wird“, sagte der HDE-Präsident.

Unterstützt werden die Hoffnungen der Einzelhändler von den Daten zum Konsumklima. Der Nürnberger Marktforscher GfK hatte zwar im Oktober nach einem Anstieg in den vergangenen vier Monaten eine unveränderte Verbraucherstimmung festgestellt. Die Rahmenbedingungen wie die niedrige Inflation und der robuste Arbeitsmarkt ließen aber hoffen, dass die gute Verbraucherstimmung bis zum Jahresende anhalte, erklärte die GfK.

Auch die fünf sogenannten Wirtschaftsweisen setzen bei ihrer am Mittwoch verkündeten Wachstumsprognose von 3,7 Prozent für dieses und von 2,2 Prozent für das nächste Jahr auf die Verbraucher. Die Grundlage für das Wachstum sei unter anderem der nachhaltige Anstieg des Konsums, erklärten sie.

dapd