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Deutschland / Welt Hannover soll Lkw-Zentrale von VW werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hannover soll Lkw-Zentrale von VW werden
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00:15 10.05.2015
Von Lars Ruzic
Die neue eigenständige Holding für die Lkw- und Busbauer MAN und Scania wird ihre Zentrale womöglich in Hannover beziehen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Landeshauptstadt könnte schon bald Sitz des drittgrößten Lkw-Konzerns der Welt werden. Hannover gilt derzeit als Favorit im Rennen um die Ansiedlung der Holding, unter deren Dach Volkswagen seine beiden Lkw-Töchter MAN und Scania gestellt hat. Intern seien zwar auch noch Wolfsburg und Braunschweig im Rennen, „aber es geht in Richtung Hannover“, verlautete am Donnerstag aus Konzernkreisen. Die Holding soll die Zusammenarbeit zwischen den Herstellern vorantreiben und Kosten senken. Sie dürfte als reines Lenkungsorgan etwa 100 Beschäftigte zählen.

Gemeinsam kamen MAN und Scania zuletzt auf gut 200.000 verkaufte Lastwagen und Busse sowie 25 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Nur Daimler und Volvo erwirtschaften höhere Erlöse in der Branche. Die Diskussion um die Ansiedlung der Dachgesellschaft schwelt schon länger. Ihr Chef, der frühere Daimler-Lkw-Lenker Andreas Renschler, soll zunächst Frankfurt als Standort favorisiert haben – auch aus persönlichen Motiven, weil sein privater Lebensmittelpunkt im Stuttgarter Raum ist. Das jedoch erledigte sich schnell. Sowohl vom Betriebsrat als auch vom damals noch amtierenden Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gab es Widerstand. Von Hannover aus könnte Renschler leicht nach Stuttgart kommen. Es bestehen mehrere Flugverbindungen täglich.

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Ohnehin gilt der Flughafen als wichtiges Argument für die Landeshauptstadt, denn die Holding-Mitarbeiter werden viel unterwegs sein zwischen MAN in München, Scania im schwedischen Södertälje und der brasilianischen MAN-Tochter. Deshalb wäre Hannover „die beste Lösung für den Holdingstandort“, sagte ein Sprecher von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Die Landesregierung als VW-Großaktionär will nach außen keine Prioritäten setzen – solange der Standort in Niedersachsen bleibt.

Für Hannover spricht zudem, dass hier die Marke VW Nutzfahrzeuge (VWN) sitzt, auf die Renschler ebenfalls ein Auge haben muss. Obwohl sie nicht unter das Holdingdach schlüpft, berichtet VWN-Chef Eckhard Scholz künftig an Renschler. Die leichten Nutzfahrzeuge sollen mit den schweren Schwestern vor allem bei Vertrieb und Service zusammenarbeiten – etwa um Großkunden zum Lastwagen gleich noch die Kleintransporter mitzuverkaufen. Bei der Produktion sind jedoch die Überschneidungen mit den Wolfsburger Pkw-Kollegen wesentlich größer. Dass sich die „Truck & Bus GmbH“ auf dem VWN-Werksgelände in Stöcken ansiedelt, hält man im Konzern für unwahrscheinlich. Für solch eine Einheit sei dort gar kein Platz mehr, heißt es.

Renschler will mithilfe der Dachgesellschaft, in deren Geschäftsführung auch die Lkw-Chefs der Töchter sitzen werden, eine engere Zusammenarbeit bei Strategie, Entwicklung, Personal und Einkauf organisieren. Bislang war die Zusammenarbeit der beiden Töchter eher von einem Gegen- als von einem Miteinander geprägt.

VW kontrolliert nahezu alle Anteile an Scania und mehr als 75 der Stimmrechte an MAN. Diese Anteile werden in die 100-prozentige Tochter Truck & Bus eingebracht, die wiederum ihre Gewinne an die Mutter abführt. Hannovers Kämmerer wird sich von der Ansiedlung der Holding in der Landeshauptstadt deshalb keine gewaltigen Steuermehreinnahmen versprechen können.