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Deutschland / Welt Hannovers Versicherungschefs liegen im Clinch
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22:47 26.04.2010
Anonyme Anschuldigungen und angebliche Intrigen der Konkurrenz: Die Concordia in Hannover erlebt gerade unruhige Zeiten. Quelle: Rainer Dröse
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Dieser hatte selbst angedeutet, dass hinter den – von ihm heftig bestrittenen – Anschuldigungen ein Konkurrent stecken könnte, der ihm schaden will. Ein Berater von Feldhaus verschickte wenig später E-Mails, die auf die Versicherungsgruppe VHV als möglichen Urheber der anonymen Vorwürfe hindeuten. Nun ist VHV-Chef Uwe H. Reuter seinerseits entrüstet.

„Da ist nicht das Geringste dran. Ich bin bereit, das eidesstattlich zu versichern.“ Sogar der Concordia-Aufsichtsratsvorsitzende stellt sich hinter den VHV-Chef. „Vermutungen, dass von der VHV eine solche Intrige ausging, kann ich nicht bestätigen“, erklärte Volker Stegmann. Er habe ein gutes Verhältnis zu Reuter. Nach seiner Einschätzung dürfte hinter den anonymen Anschuldigungen vielmehr ein früherer oder noch beschäftigter Mitarbeiter der Concordia stecken.

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Vergangene Woche war bekannt geworden, dass gegen Feldhaus eine anonyme Anzeige vorliegt. Dem Versicherungsboss werden darin finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Dabei geht es unter anderem um den Umbau des von ihm bewohnten Hauses sowie um private Reisen, die auf Kosten des Unternehmens abgerechnet worden seien. Feldhaus hatte sich darüber empört gezeigt. „Diese Ansammlung von vielen Unwahrheiten und ein paar Halbwahrheiten ist vom Übelsten“, hatte Feldhaus erklärt. Nun soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Behauptungen prüfen und einen Bericht für den Aufsichtsrat erarbeiten, wie sein Vorsitzender Stegmann jetzt bestätigte.

Im Umfeld von Feldhaus war die These verbreitet worden, dass hinter den Vorwürfen ein Wettbewerber stecken könnte, der die Concordia gern übernommen hätte, damit aber am Widerstand von Feldhaus gescheitert sei. Tatsächlich gab es schon im Jahr 2006 entsprechende Gespräche zwischen der VHV und der Concordia, die jedoch im Sande verliefen. Der Berater von Feldhaus versandte vergangenen Donnerstag – nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Concordia-Chef – ungefragt Dokumente, die die damaligen Überlegungen der VHV belegen.

Allerdings kam es auch später noch zu Gesprächen zwischen der VHV-Spitze und dem jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Stegmann, im Hauptberuf Chef eines Münchener Unternehmens, das der Assekuranzbranche unter anderem Beratungsleistungen anbietet. Stegmann betonte jedoch, dass es sich bei diesen Kontakten nicht um Fusionsgespräche handelte, zumal sich die Concordia-Mitgliedervertreter seinerzeit für eine weitere Selbständigkeit ausgesprochen hätten. Allerdings müsse ein mittelgroßer Versicherungsverein „in Ruhe überlegen, wie es in Zukunft weitergeht“. Gespräche über mögliche Kooperationen gebe es im Übrigen auch mit anderen Gesellschaften.

In Unternehmenskreisen werden die Anschuldigungen gegen Feldhaus eher mit internen Misshelligkeiten in Zusammenhang gebracht. So sind in jüngerer Zeit etliche führende Mitarbeiter „im gegenseitigen Einvernehmen“ ausgeschieden, war auf tiefgreifende Zerwürfnisse hindeutet. Zuletzt hatte Vorstandsmitglied Manfred Schnieders den Hut nehmen müssen.

Dem Concordia-Chef werden selbstherrliche Allüren nachgesagt. Trotz seiner umgänglichen Art sei er ein Choleriker, hört man in seinem Umfeld. „Er kann fürchterlich böse werden, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft“, heißt es. Damit könnte er sich im Kollegenkreis manche Feinde gemacht haben.

Die Concordia hat schwierige Zeiten hinter sich, steht jetzt aber offenbar wieder gut da. Zahlen für 2009 wurden noch nicht vorgelegt, aber Feldhaus beteuert, das Geschäftsjahr sei „ausgesprochen gut“ gelaufen. 2008 kam die Gruppe auf 461 Millionen Euro Beitragseinnahmen, womit sie zu den kleineren Anbietern auf dem deutschen Markt zählt.

Albrecht Scheuermann