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Deutschland / Welt Hanomag streicht Jobs und Arbeitszeit
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hanomag streicht Jobs und Arbeitszeit
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22:14 20.08.2013
Von Lars Ruzic
„Noch kein Licht am Ende des Tunnels“: Hanomag baut inzwischen auch riesige Muldenkipper, den Einbruch im Kerngeschäft können die Hannoveraner damit allerdings nicht auffangen. Quelle: Heusel
Hannover

„Es ist noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, sagte Betriebsratschef Gerd Stenzel der HAZ. Konzern und Belegschaftsvertreter haben sich bereits auf den Abbau von 38 Arbeitsplätzen geeinigt. Er soll sozialverträglich vonstattengehen, etwa über Aufhebungsverträge mit Abfindungen oder Altersteilzeitangebote.

Gleichzeitig nutzt das Traditionshaus aus Hannover-Linden die Möglichkeiten des Tarifvertrags für Beschäftigungssicherung, der bei Unterauslastung eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 29 Wochenstunden erlaubt. So werde es für die überwiegende Mehrheit der aktuell noch 560 Mitarbeiter weiterhin eine Vier-Tage-Woche geben, berichtete Stenzel. Die Lohneinbußen von rechnerisch 17 Prozent werden abgemildert, indem Teile des Weihnachtsgelds auf die einzelnen Monate verteilt werden. So wollen sie in Linden zunächst bis zum Ende des Geschäftsjahres 2013/14 (31. 3.) über die Runden kommen.

Im Vier-Tage-Rhythmus arbeiten die Spezialisten für Radlader, Mobilbagger und Muldenkipper schon fast ein Jahr lang. Während der Sommerferien war das ganze Werk sogar für vier Wochen am Stück geschlossen. Hanomag hatte als eines der ersten Unternehmen in Niedersachsen von der Ausweitung der Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Die Bundesregierung hatte zu Jahresbeginn den Maximalzeitraum, für den die Arbeitsagentur bis zu 67 Prozent des entgangenen Lohns übernimmt, von sechs auf zwölf Monate erhöht. So konnte der Baumaschinenhersteller die Kurzarbeit bis Ende September ausdehnen. Doch danach ist erst einmal Schluss.

Hanomag-Chef Göksel Güner hatte zuletzt immer wieder eine weitere Ausdehnung der Kurzarbeit ins Spiel gebracht. Er plädierte für eine Regelung wie zu Zeiten der Finanzkrise, als Betriebe für 24 Monate kurzarbeiten lassen konnten. Damals half der Staat beiden Seiten nicht nur bei den Löhnen aus, sondern übernahm auch noch die Beiträge zur Sozialversicherung. Doch die Neuauflage blieb aus, Hanomag musste sich selbst helfen. Hinzu kam, dass die Komatsu-Zentrale in Japan von den Standorten weltweit Kostensenkungen von jeweils 10 Prozent einforderte.

Hannover ist im zweitgrößten Baumaschinenkonzern der Welt zuständig für den europäischen Markt. Der leidet seit dem Platzen der Immobilienblase und der Schuldenkrise in Südeuropa unter einem Nachfrageeinbruch. Lange Zeit hatte der deutsche Markt dem Absatz geholfen. Doch der ist inzwischen auch kein Wachstumsgarant mehr. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2012/13 sind im Lindener Werk weniger als 1500 Maschinen vom Band gelaufen. Dabei könnte der Standort leicht dreimal so viele herstellen. Güner geht früheren Angaben zufolge davon aus, dass es im laufenden Jahr zumindest nicht mehr werden. Erst Ende 2014 rechnet der Firmenchef mit einer Normalisierung des Geschäfts.

Bis dahin könnte Hanomag allerdings auch wieder zur Kurzarbeit zurückkehren. Das ist theoretisch schon zum Jahreswechsel wieder möglich. Dann allerdings würden den Beschäftigten weitere Einbußen drohen. Denn das Kurzarbeitergeld bezieht sich immer auf das letzte Nettogehalt – und das wäre in diesem Fall durch die Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung ohnehin schon reduziert.

MAN kehrt zur Normalität

Der Lastwagenbauer MAN verzichtet angesichts wieder besser laufender Geschäfte weitgehend auf Kurzarbeit. An den drei großen Lkw-Standorten in München, Salzgitter und im Motorenwerk Nürnberg werde es in der zweiten Jahreshälfte keine Maßnahmen mehr geben. „Der Auftragseingang für Lkw war in den vergangenen Wochen deutlich besser als im Vorjahr. Deshalb können wir in den restlichen Monaten des Jahres auf Kurzarbeit verzichten“, sagte ein Sprecher der VW-Tochter am Dienstag. Noch Ende Juni hatte der Konzern angekündigt, zumindest für Salzgitter die für das erste Halbjahr beantragte Kurzarbeit zu verlängern. Zur Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen aber bereits angedeutet, dass die Geschäfte wieder deutlich angezogen hätten. Trotz der für das erste Halbjahr beantragten Kurzarbeit war an den Standorten nur an ausgewählten Tagen kurzgearbeitet worden.

dpa

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