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Deutschland / Welt Hapag-Lloyd auf der Suche nach dem sicheren Hafen
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18:00 07.12.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Die Eigentümer der Reederei Hapag-Lloyd haben mit den Vorbereitungen für einen Börsengang begonnen. Die Investmentbanken Credit Suisse, Goldman Sachs und Greenhill sollten einen entsprechenden Auftrag erhalten, teilten der Tourismuskonzern Tui und das Konsortium „Albert Ballin“ in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag mit. Daneben werde weiterhin nach strategischen und Finanzinvestoren gesucht, die langfristig eine Minderheitsposition an dem Unternehmen halten wollen. Zum Jahresende werde nach einer bereits angekündigten Kapitalmaßnahme „Albert Ballin“ 50,2 Prozent und die Tui 49,8 Prozent an Hapag-Lloyd halten.

Die Tui hatte schon 2008 angekündigt, sich von der Schifffahrt zu trennen und auf Tourismus konzentrieren zu wollen. Das Konsortium „Albert Ballin“ war aus der Not heraus entstanden, um einen Verkauf der deutschen Traditionsreederei nach Fernost zu verhindern. Ihm gehören der Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg und jeweils zwei Banken und Versicherungen an. Die Interessen innerhalb des Konsortiums sind nicht deckungsgleich und es war von Beginn an als eine zeitlich begrenzte Übergangslösung angelegt gewesen.

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Die Irrfahrt von Hapag-Lloyd hat über die Jahrzehnte in keinen sicheren Hafen geführt. In den 1990er Jahren übernahm die damalige Preussag AG die Mehrheit an Hapag-Loyd, weil sie an der Tourismussparte des Unternehmens interessiert war, an Kreuzfahrtschiffen, Flugzeugen und Reisebüros. Die Schifffahrt blieb immer ein Fremdkörper in dem später in Tui umbenannten Konzern, lieferte aber in den Boomjahren des Welthandels eine ansehnlich Rendite. Schon 2004 wollte Tui einen Teil von Hapag-Lloyd an die Börse bringen, wo das Unternehmen bis 2002 platziert war. Der Plan scheiterte, weil die Verkaufserlöse nicht hoch genug gewesen wären.

Der Zeitplan und der Umfang des nun geplanten Börsengangs ist völlig offen. Hapag-Lloyd steht nach der Krise mit einem Neun-Monats-Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn (EBITDA) von 744 Millionen Euro wirtschaftlich wieder gut da. Staatsbürgschaften wurden zurückgegeben, Finanzschulden bei den Eignern getilgt. Das Unternehmen hat mit 59 eigenen und 70 gecharterten Schiffen eine Transportkapazität von 575.000 Standardcontainern (TEU) und ist damit die fünftgrößte Containerreederei der Welt.

Nun könnte im Frühjahr ein Börsengang folgen. In Hamburger Schifffahrts- und Finanzkreisen gilt es als eher unwahrscheinlich, dass die Mehrheit des Unternehmens im Streubesitz liegen könnte. Eher wird noch ein Kreis von stabilen Großaktionären gesucht. Zu denen könnte auch der Unternehmer Kühne gehören, der zwar in der Schweiz lebt, aber norddeutsche Wurzeln und eine starke Bindung an Hamburg hat.

dpa